Armin Öhri
Autor, Initiant der Veranstaltungsreihe ›Literatursalon‹

Bio-bibliografische Angaben

Der Ruggeller Autor Armin Öhri wurde 1978 geboren. Mit seinen historischen Kriminal- und Abenteuerromanen ist er der momentan auflagenstärkste Schriftsteller Liechtensteins.

2009 erschien – als Öhris erstes Buch mit einer liechtensteinischen Thematik – im van Eck Verlag ›Das Nachtvolk‹, eine Erzählung im Gewand einer klassisch aufgebauten Schauergeschichte, die zum Teil im nebelverhangenen Ruggeller Ried des Jahres 1775 spielt. In den Handlungsstrang eingewoben wurden die »Sagen vom Bad im Moor, von der Guschger Sennenpuppe und dem Nachtvolk«, wie der Autor kurz vor Erscheinen seiner Erzählung in einem Interview erklärte.

Während ›Das Nachtvolk‹ durchwegs positive Kritiken erhielt, machte die im Folgejahr veröffentlichte Erzählung ›Die Entführung‹ weniger durch ihren literarischen Gehalt als vielmehr durch ihr Thema von sich reden. Die literarische Bearbeitung eines dunklen Kapitels liechtensteinischer Geschichte – nämlich die 1933 geplante Entführung eines jüdischen Brüderpaars durch Liechtensteiner Nationalsozialisten – führte zu kontroversen Diskussionen in der Öffentlichkeit. In den Blickpunkt gerieten die vermeintliche Verdrängung der Geschichte, die Aufarbeitung historischer Begebenheiten und die Rolle der Medien sowie die Einflussnahme seitens der Politik.

Armin Öhris nächste Veröffentlichung, der historische Kriminalroman ›Sinfonie des Todes‹, zusammen mit der Grabser Autorin Vanessa Tschirky geschrieben, erschien 2011 beim renommierten Gmeiner-Verlag. Dort wird auch Öhri Kriminalroman-Reihe um den jungen Tatortzeichner Julius Bentheim veröffentlicht.

Allen Werken des Ruggeller Schriftstellers ist bisher gemein, dass sie vor einem geschichtlichen Hintergrund spielen, dass mindestens eine Person im Verlauf der Handlung ums Leben kommt und dass ihre Protagonisten gern lesen. Hier kommt Öhris Vorliebe für unterhaltsame Tendenz- und Kolportageliteratur zum Ausdruck: Die Bücher, die seine Helden verschlingen, sind die, die er selbst liebt und die er sich zum Vorbild für seine Geschichten genommen hat. Öhri orientiert sich an Klassikern des 19. Jahrhunderts, die dem Abenteuer- und Kriminalgenre zuzuordnen sind, und bedient sich ihrer Elemente, um seine eigene Mischung daraus zu kreieren.

Auch als Veranstalter literarischer Abende ist Armin Öhri aktiv. Im Frühjahr 2011 wurde auf Initiative von Daniel Batliner und Armin Öhri die Einführung eines Literatursalons nach klassischem Vorbild beschlossen. Gemeinsam laden die beiden Autoren seither in unregelmäßigen Abständen bekannte und unbekannte regionale Literaten zu Lesungen und Buchpräsentationen ein. Auch ist Armin Öhri Initiant des Liechtensteiner Autorenverbands ›IG Wort‹ und dessen erster Präsident.

Für seinen Roman ›Die dunkle Muse‹ wurde der Autor 2014 mit dem ›European Union Prize for Literature‹ ausgezeichnet. Der Prolog seines bisher umfangreichsten Werks ›Liechtenstein – Roman einer Nation‹ erschien auf Englisch in der Anthologie ›Best European Fiction 2016‹.




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Wie verläuft Dein Schreibprozess?
Lange Zeit spukt mir bloß ganz vage ein Thema im Kopf herum, das ich bearbeiten möchte. Das verfestigt sich immer mehr, bis sich die genauen Konturen herausstellen, in welche Richtung mein neues Werk gehen soll. Bei der ›Dunklen Muse‹ schwebte mir zu Beginn einfach eine Gerichtsszene vor; ich wollte schon immer mal den klassischen Schlagabtausch von Ankläger und Verteidiger auf Papier bringen, etwa so, wie es Robert Traver in ›Anatomie eines Mordes‹ ausformuliert hat. Schritt für Schritt kristallisierte sich dann auch der Rest heraus: Wo spielt die Geschichte sich ab? Wann spielt sie? Welche Figuren möchte ich auftreten lassen? Wie baue ich den Handlungsstrang auf? Bei der Beantwortung all diesen Fragen lässt sich mein Faible fürs Kino erkennen, denn es ist unschwer zu leugnen, dass ich meine Romane mit den Stilmitteln von Hollywood-Filmen aufbaue: Schnitt, Gegenschnitt, Szenenmontage usw. Sogar mein Figuren-Arsenal mit dem Bösewicht, dem Helden, dem Love-Interest und dem Side-Kick, der für die unterhaltsamen Sprüche zuständig ist, hat klassische Vorbilder. Hier schiele ich bewusst auf die Vorlieben meiner potenziellen Käufer.

Notizen mache ich mir keine; ich lasse die Geschichte über Wochen und Monate einfach reifen und gehe sie in Gedanken immer wieder durch, bis ich das Gefühl habe, sie sei ausgereift. Dann setze ich mich an den Computer und schreibe, am liebsten abends, so ab 22 Uhr, wenn es draußen dunkel ist und ich nicht abgelenkt werde. Ich beginne beim ersten Kapitel und ende mit dem letzten; es ist nicht so, dass ich mir erst jene Szenen heraussuche, die ich gern schreibe. Das hat zur Folge, dass ich manchmal schnell vorankomme, während bald darauf wieder eine harzige Zeit anbricht, sobald ich einige Szenen beschreiben muss, die für das Fortlaufen der Geschichte zwar notwendig sind, mich aber nicht in erster Linie interessieren. Wenn ich ein Kapitel beendet habe, lese ich es in ausgedruckter Form noch einmal durch und bringe Korrekturen an.

Manchmal überarbeite ich kleine Stellen, um Querverweise zu meinen anderen Erzählungen und Romanen herzustellen. Was mich an Balzacs ›Menschlicher Komödie‹, Emile Zolas ›Rougon-Macquart‹-Zyklus und an den ›Tim und Struppi‹-Comics von Hergé so fasziniert, ist das wiederkehrende Auftauchen von bekannten Nebenfiguren im gesamten Werk. Von Anfang an fand ich diese Idee interessant und habe sie konsequent in meinen Büchern angewandt. Bis jetzt wird der aufmerksame Leser wohl nur hin und wieder ein paar Hinweise finden, aber mit jedem Buch, das ich schreibe, kommen mehr hinzu, sodass sich alle Geschichten einmal ineinander verzahnen sollten.

Hast Du eine bestimmte Autorin, einen bestimmten Autor als Vorbild?
Mich fasziniert die Leichtigkeit, mit der ein Maurice Leblanc seine Geschichten präsentiert; auch fast alle Romane und Erzählungen von Wilkie Collins gefallen mir. Und neulich habe ich Robert Kraft für mich entdeckt, einen deutschen Schriftsteller der Jahrhundertwende. Sein Werk umfasst Tausende von Seiten. Er war von einer fast schon enzyklopädischen Belesenheit und verarbeitete sein Literaturwissen in ein Groschenroman-Konstrukt aus Kriminal-, Abenteuer-, Horror- und Science-Fiction-Geschichten. Das ist purer Eskapismus. Nichts Weltbewegendes, aber trotzdem einfach verdammt gute Unterhaltung.

Welches ist Dein Lieblingsbuch?
Lange Zeit war es Tolstojs ›Krieg und Frieden‹. Inzwischen gefallen mir aber auch Victor Hugos ›Elende‹ und Robert Musils ›Mann ohne Eigenschaften‹ sehr gut. Ich liebe solche dicken Schmöker.

Welches ist Deine liebste literarische Figur?
Da gibt es viele. Ich mag skurrile Protagonisten sehr gern. Eigentlich müsste ich jetzt wohl in logischer Konsequenz eine Figur von Charles Dickens nennen. Aber wo fängt man bei dem an? Ich schlage deshalb ein paar andere vor, und zwar den Meisterdieb Arsène Lupin, den Superschurken Conte Fosco, und – man höre und staune – den Onkel Dagobert aus den Geschichten von Don Rosa. Dessen Opus Magnum, ›The Life and Times of Scrooge McDuck‹, ist etwas vom Genialsten, was es auf dem Buchmarkt gibt. Noch selten habe ich ein Buch gesehen, das derart ausgefeilt ist und in einer solchen Fülle Querverweise auf alle möglichen Bücher, Kunstwerke, historische Fakten etc. gibt. 

Hast Du eine ganz bestimmte Lieblingsstelle in einem Buch?
In Jules Vernes ›Kurier des Zaren‹ gibt es ein Kapitel, in dem sich zwei Reporter – der Franzose Jolivet und der Brite Blount – in die Haare geraten. Sie wollen ihren Zeitungen die neuesten Nachrichten aus Russland kabeln, doch dummerweise gibt es nur ein einziges Telegrafenhäuschen. Beide versuchen, einen Scoop zu landen: Ihre Zeitung soll als Erste über ein Gefecht zwischen russischen Truppen und Tataren berichten. Als Blount mit dem eigentlichen Telegramm fertig ist, hängt er seiner Nachricht einfach die ersten Verse der Genesis an, damit der Franzose nicht die Gelegenheit zum Telegrafieren bekommt. Dieser wird natürlich immer wütender, und die ganze Szene ist von Verne derart köstlich geschrieben, dass der Leser einfach herzhaft lachen muss.

Wie sehen Deine Schreibpläne für die Zukunft aus?
Ich habe gerade die Arbeit an einem umfangreichen Roman, eine Art Nationalepos über die Geschichte Liechtensteins von den 1920er-Jahren bis heute, abgeschlossen. Jetzt atme ich vorerst mal tief durch und genieße das Dolcefarniente.

Nach welchen Kriterien wählst Du Deine Geschichten aus?
Schwer zu sagen. Ich glaube, ich schreibe einfach das, was ich selbst gern lese: belletristische Unterhaltung.

Kennst Du Deine Charaktere in- und auswendig?
Nein, sie entwickeln sich ab und zu sogar in eine Richtung, die ich nicht erwartet habe. Zum Beispiel kommen in meinem zweiten Bentheim-Fall mehrere preußische Soldaten vor, von denen einer im Laufe der Handlung ums Leben kommt. Lange Zeit wusste ich nicht, wen ich ›umbringen‹ sollte. Schließlich entschied ich mich einfach für den, dessen Namen mir am wenigsten gefiel.

Wer sind Deine ersten Probeleser?
Ich habe eine Handvoll Freunde, denen ich meine Manuskripte zu lesen gebe. Auf ihre Meinung lege ich viel Wert, und wenn mehr als die Hälfte von ihnen zum Beispiel an einem Satz etwas auszusetzen haben, der mir persönlich außerordentlich gut gefällt, so akzeptiere ich die demokratische Mehrheit: Der Satz wird abgeändert oder gestrichen.

Gibt es Genres oder Textgattungen, an die Du Dich nicht wagst oder die Dich nicht interessieren?
Ich habe Respekt vor Mundartdichtung. Ich traue es mir einfach nicht zu, die richtige Schreibweise zu finden, und hätte deshalb immer Angst, Wörter und Sätze zu schreiben, die seltsam aussehen oder seltsam klingen, wenn ein anderer sie ausspricht. Und wenn ich ehrlich bin, habe ich noch nie einen Text in Mundart gelesen, der mich so richtig überzeugt hat. Immer wieder ertappe ich mich bei dem Gefühl: »Das würde ich jetzt anders schreiben. So spricht man das doch nicht aus.«

Bücher

Professor Harpers Expedition. Historischer Roman

ISBN: 978-3-7349-9223-0 (E-Book only)

TAG DES ZORNS, Mai 1883 – Unter der Leitung von Professor Olmus Harper bricht eine britische Expedition auf, um die vulkanischen Aktivitäten in der Meerenge zwischen Sumatra und Java zu erforschen. Zeitgleich schickt sich ein französischer Gegenspieler zu einer eigenen Forschungsreise an. Zwischen den beiden Rivalen entspinnt sich ein Wettlauf voller Abenteuer und Gefahren. Sie trotzen Stürmen wie Flauten, Piratenüberfällen und Schicksalsschlägen. Am Ende ihrer Reise erwartet sie der Krakatau, der gefährlichste Vulkan der Welt … 


Die letzte Reise der Hindenburg. Kurzroman

ISBN: 978-3-7349-9213-1 (E-Book only)

Mai 1937 – Die Hindenburg, das größte Luftfahrzeug aller Zeiten und der Stolz des Dritten Reiches, macht sich auf die Fahrt über den Atlantik. Mit an Bord ist auch der Emigrant Kurt Bäumler, der Hitler-Deutschland
endgültig hinter sich lassen möchte und sich für die junge, jedoch verheiratete Amerikanerin Sofie Anderson interessiert. Aber auch Gerüchte, dass ein mörderischer Anschlag auf den Zeppelin geplant sei, lassen in der Reisegesellschaft die gespannte Atmosphäre am Vorabend des Zweiten Weltkriegs zum Siedepunkt kommen …


Die Dame im Schatten. Julius Bentheims dritter Fall. Historischer Kriminalroman

ISBN: 978-3-8392-1729-0

1866. Während bei Königgrätz die Schlacht tobt, wird Berlin von einer dreisten Diebesbande heimgesucht, die es auf wertvolle Juwelen abgesehen hat. Die Gendarmerie tappt im Dunkeln. Im Auftrag des Königs beruft Kommissar Gideon Horlitz eine Sonderkommission ein. Er nutzt die Gunst der Stunde, um seine Freunde Julius Bentheim und Albrecht Krosick von der Front abziehen zu können.
Gemeinsam kommen die drei einer ägyptischen Schieberbande auf die Schliche, welche die Juwelen in ihrer Heimat im Freiheitskampf gegen die Kolonialherren einsetzen will. Die Verschwörung schlägt auf internationaler Ebene hohe Wellen und bringt letztlich sogar den osmanischen Vizekönig in Ägypten in Gefahr. Immer wieder kommt den Ermittlern auch die geheimnisvolle Dame im Schatten in die Quere, eine gefährliche Verbündete mit ebenso großer Gerissenheit wie bezwingenden Reizen. Während Albrecht sich hoffnungslos in die Unbekannte verliebt, wird Julius von ganz anderen privaten Sorgen heimgesucht: Seine von der Schwindsucht stark geschwächte Filine erwartet ein Kind …


Der Bund der Okkultisten. Julius Bentheims zweiter Fall. Historischer Kriminalroman

ISBN: 978-3-8392-1500-5

Silvester 1865: Baron von Falkenhayn lädt zur großen Feier ins Buckower Landschloss. In den frühen Morgenstunden des Neujahrstages gerät der betrunkene Dorfapotheker unter die tödlichen Hufe eines durchgehenden Pferdes. Da bei der tags zuvor durchgeführten Séance zufällig 13 Personen anwesend waren, spricht die Berliner Presse von einem Fluch.

Um dem Aberglauben der einfachen Leute entgegenzutreten, hat Albrecht Krosick die Idee, spaßeshalber einen Bund der Okkultisten zu gründen, der bewusst aus nur 13 Personen besteht. Wider Erwarten gibt es weitere Tote, und Albrecht und der Tatortzeichner Julius Bentheim ermitteln in einem neuen Fall.

Doch auch auf privater Ebene haben die beiden Freunde mit den Fährnissen des Lebens zu kämpfen, denn die Liebe macht Julius zu schaffen: Findet er zurück zu seiner Verlobten Filine Sternberg? Oder erliegt er den Reizen des verruchten Aktmodells Adele, einer Femme fatale, die ihn wie eine Spinne zu umgarnen scheint?


Die dunkle Muse. Julius Bentheims erster Fall. Historischer Kriminalroman

ISBN: 978-3-8392-1295-0

August 1865. Ein Geruch von Seife und Chemikalien erfüllt die Luft, durchmischt von Räucherkegeln, die nach Burgunderharz und Eichenmoos duften. Zehn Tische sind in zwei Reihen in der linken Raumhälfte angeordnet, und während sich draußen auf den Straßen Berlins die sommerliche Hitze ausbreitet, herrscht unten im Seziersaal der Charité angenehme Kühle.

Blitzlicht leuchtet plötzlich auf, verbranntes Silberjodid fährt den Anwesenden in die Nasen. Für kurze Zeit wird die ansonsten vorherrschende Ausdünstung von Tod und Verwesung übertüncht. Rudolf Virchow, der berühmte Pathologe, hat zum Skalpell gegriffen, während Julius Bentheim, ein junger Student der Rechte, mit Zeichnungen und Fotografien den aktuellen Fall dokumentiert.

Auf dem Tisch vor ihnen liegt die Leiche der bestialisch ermordeten Lene Kulm, einer Gelegenheitsprostituierten aus der Marienburger Straße. Nach jeder Belichtung lehnt der Student seine Fotografien an die hölzernen Tischbeine, damit sie noch geraume Zeit trocknen können. Ein ganz eigentümliches Flair geht von diesen Kunstwerken aus. Es ist keineswegs die Faszination des Todes, die den Reiz der Fotografien ausmacht; das Motiv der Bilder ist nebensächlich, aber ihr klarer Glanz, ihre feine Linienführung sind bestechend.

Bestechend ist auch die Hintergrundgeschichte dieses äußert verzwickten Kriminalfalls. Tage später, als sich Julius als Gast im Literatursalon der Fanny Lewald einfindet, ist der Mord bereits Tagesgespräch, und der Student weiß den Anwesenden viel zu berichten. Er, der als Gerichtszeichner die Verhandlung gegen den Täter hautnah mitverfolgt, ist fasziniert von der Persönlichkeit des Angeklagten, des Philosophieprofessors Botho Goltz, dessen Gerissenheit sich mit seiner Hybris die Waage hält. Nach und nach stellt sich heraus, dass der brillante Kopf nicht nur der Justiz auf der Nase herumtanzt, sondern auch Schritt für Schritt die gegen ihn vorgebrachten Anklagepunkte wie ein Kar­ten­haus zusam­men­brechen lässt.

Während Julius immer tiefer in den Fall hineingezogen wird, häufen sich auch auf privater Ebene die Probleme. Denn die noch junge Liebe des Studenten zur Pastorentochter Filine Sternberg wird arg auf die Probe gestellt, als ihr sittenstrenger Vater ihnen den Umgang miteinander verbietet.

Mit seinem historischen Kriminalroman bietet uns Armin Öhri einen raffiniert verdichteten Mordfall und entwirft zugleich ein faszinierendes Bild der Epoche Bismarcks. Persönlichkeiten wie Theodor Fontane oder Sir John Retcliffe bereichern die spannungsgeladene Atmosphäre, und Bentheims Ermittlungen führen den Leser vom Molkenmarkt zur königlichen Justizverwaltung, von der Prachtallee Unter den Linden zum Geheimratsviertel rund um die Matthäikirche, schließlich auch von einer lustvollen Orgie in einer Landvilla zu den in gespenstischer Stille liegenden Friedhöfen vor dem Halleschen Tor.

›Die dunkle Muse‹ – das ist ein Page-Turner, der einen von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln vermag.

Sinfonie des Todes. Historischer Kriminalroman

ISBN: 978-3-8392-1145-8

Die Donaumonarchie des Jahres 1901 bildet die pittoreske Bühne, auf welcher das Autorenduo Vanessa Tschirky und Armin Öhri ihren historischen Kriminalroman aufführt. Es ist die Metropole Wien mit all ihren sozialen Spannungen, in der sich Cyprian von Warnstedt, Inspektor der kaiserlich-königlichen Gendarmerie, bewegt: Das Bürgertum grenzt sich von der Arbeiterschaft ab, Alteingesessene legen sich mit böhmischen Zuwanderern an, Antisemiten bekämpfen jüdische Künstler.

Doch die politisch aufgeladene Atmosphäre rückt für kurze Zeit in den Hintergrund, als der Inspektor an den Tatort eines Verbrechens gerufen wird. Ein Beamter aus dem Kriegsministerium wurde ermordet, und Cyprian erkennt in dem Toten den Bruder seines ehemaligen Arbeitskollegen wieder. Dieser, der an Schwindsucht erkrankte Sektionsrat Robert Fichtner, kehrt aus einem Kuraufenthalt in Meran zurück in die Hauptstadt, um sich über den Todesfall unterrichten zu lassen. Mehrere Personen kommen für die Kriminalbeamten als Täter infrage. Schon bald fördern die Ermittlungen Unerwartetes zutage, und Robert und Cyprian versinken in einem Morast aus Lügen, Erpressung und sexueller Gier …

Den Autoren gelingt das Kunststück, eine spannend erzählte Geschichte mit interessanten geschichtlichen Fakten zu verbinden. Die Hauptfiguren des Romans verkehren mit historischen Persönlichkeiten; sie lassen sich von Arthur Schnitzler ärztlich behandeln, sie schauen dem berühmten Pathologen Haberda beim Sezieren zu, sie lassen sich bei Emilie Flöge, der Freundin Gustav Klimts, ein Kleid nähen, und sie besuchen das Café Central, wo Peter Altenberg, Karl Kraus und Hugo von Hofmannsthal boshaft über das Leben philosophieren.

›Sinfonie des Todes‹ bietet alles, was das Herz des Krimiliebhabers begehrt: wabernder Nebel in den Donau-Auen, nächtliche Duelle, Fiakerfahrten, prächtige Gesellschaften, Ränkespiele sowie eine aparte, geheimnisvolle Witwe. Und – ein halbes Dutzend Todesopfer.


Die Entführung. Erzählung

ISBN: 978-3905881097

In seiner Erzählung greift Armin Öhri einen historischen Stoff aus der liechtensteinischen Krisenzeit auf, nämlich den versuchten Menschenraub an zwei Berliner Theaterdirektoren auf Gaflei im Jahre 1933: Die vierzehnjährige Anna darf mit ihrer Klassenkameradin Inge und deren Eltern in den Urlaub fahren. Reiseziel ist das Fürstentum Liechtenstein, wo Inges Vater einen Arbeitskollegen treffen möchte, den NS-freundlichen Architekten Roeckle. In dem mondänen Waldhotel in der Vaduzer Villenkolonie beziehen die Reisenden Unterkunft. Dort trifft sich die große Welt: Geschäftsleute und Bohemiens sitzen gemeinsam im eleganten Speisesaal, Aristokraten, Bürgerliche und Emigranten bilden ihre Tischnachbarn.

Doch der Schein trügt. Durch ih

ren Umgang mit

 den Einheimischen merken die Mädchen allmählich, dass nicht alles in dem kleinen Land zum Besten bestellt ist. Angesehene Bürger machen keinen Hehl aus ihrer radikalen politischen Einstellung, nationalstolze Liechtensteiner kreuzen ihre Wege und die Mädchen machen Bekanntschaft mit dem imponierenden jungen Künstler Rudolf Schädler, dessen wahre Gesinnung nicht richtig einzuschätzen ist.

Als Inges Vater den Kontakt zu einem jüdischen Brüderpaar sucht, das für den Konkurs mehrerer Theaterbühnen verantwortlich gemacht wird, gehen seltsame Dinge vor. Bald einmal taumelt Anna durch die immer bedrohlicher werdende Atmosphäre, und ihr Aufenthalt in dem kleinen Fürstentum mündet in eine Katastrophe …


Das Nachtvolk. Erzählung

ISBN: 978-3905881028

Im Januar des Jahres 1775: Der Graf von Saint-Germain, der große europäische Abenteurer und Okkultist, sieht sich dazu veranlasst, vor seinen Gläubigern nach Italien zu fliehen. Die Reiseroute soll durch das österreichische Kaiserreich, durch Liechtenstein und die Schweiz führen. Pierre, der Diener des Grafen, heuert den Kutscher Karl an, um die Fahrgäste vorerst bis nach Vaduz zu bringen.

In einer kalten Nacht gelangen die Reisenden über die Grenze ins Ruggeller Ried, wo sie im dichten Nebel von der Trasse abkommen und ihre Kutsche in ein Torfloch gerät.

Die Einheimischen, die den Adligen und seine zwei Gefolgsleute aufnehmen, bis die Kutsche repariert ist, entpuppen sich als abergläubisches Völkchen. Im Dorf kursieren Gerüchte um das nahe gelegene ›Bad im Moor‹. Dort gehe es nicht mit rechten Dingen zu, und der Wirt habe sich dem Teufel verschrieben. Auch dass dem Kutscher in seinen Träumen das geisterhafte Nachtvolk erschienen ist, hält den Grafen nicht davon ab, mit seinen Begleitern ein Zimmer im Bad zu nehmen.

Bald merken sie, dass es dort tatsächlich zu spuken scheint.