Doris Röckle-Vetsch
Autorin


Bio-bibliografische Angaben

Doris Röckle-Vetsch, geboren 1963, lebt mit ihrer Familie in Vaduz, Fürstentum Liechtenstein. Nebst ihrer Tätigkeit als medizinische Praxisassistentin gehört ihre Leidenschaft dem Schreiben historischer Geschichten und Romane. Sie veröffentlichte bereits mehrere Kurzgeschichten in Schreibstar-Anthologien des Liechtensteiner Volksblattes und gewann 2010 den Literaturwettbewerb des Kulturvereins Schloss Werdenberg. Seit ihrer Kindheit von der Mystik und den Burgen des Alpenrheintals fasziniert, war es nur eine Frage der Zeit, bis sie mit ›Die Flucht der Magd‹ ihren ersten historischen Roman schuf.




10 Fragen …


Wie verläuft Dein Schreibprozess?
So wie sich mein Schreibtisch präsentiert, so bin ich wohl auch als Autor. Viele würden mich mit Bestimmtheit als chaotisch bezeichnen, doch bin ich der Meinung, dass hinter jedem Chaos auch eine Ordnung herrscht, ansonsten würde ich wohl kaum je zum Ziel gelangen. Und ein Ziel habe ich eigentlich immer, wenn ich mir eine Geschichte ausdenke. Oft kenne ich allerdings lediglich den Anfang, den Schluss und den Protagonisten. Das Mittelding, die Seiten, die den Leser auf eine Reise mitnehmen, die sind auch für mich ein Weg voller Spannung und Staunen. Manchmal stehe ich dann vor einer Kreuzung. Plötzlich kommt mir ein neuer Gedanke und ich biege nach rechts ab, obwohl ich eigentlich Tage vorher nach links wollte. Die Geschichte nimmt dann eine unvorhergesehene Wendung. Wenn mich ein solcher Geistesblitz überfällt, geht dann alles rasend schnell. Manchmal so schnell, dass meine Finger kaum nachkommen mit Tippen. Dann füllt sich Seite um Seite und ich fühle mich beinahe berauscht. Danach allerdings kann es gut vorkommen, dass ich tagelang nichts schreibe und mich nur gedanklich mit den Darstellern meines Romans befasse. Ich versuche dann, mich in ihre Person hineinzuversetzen, ihre Gefühle zu erfassen und abzuschätzen, wie sie auf den eingeschlagenen Pfad meiner Geschichte reagieren. Auch diese Zeit genieße ich, genauso die Stunden vor dem PC. Schreiben ist für mich Erholung, Ablenkung und Lust zugleich. Ich kann jedem Menschen empfehlen, sich einfach vor ein Blatt Papier zu setzen und aufzuschreiben, was einem gerade so einfällt. Vieles im Leben lässt sich so leichter ertragen und verarbeiten und wenn am Schluss sogar eine Geschichte dabei herauskommt, warum nicht versuchen, vielleicht sogar einen Verlag zu finden, der die Begeisterung teilt?

Hast Du eine bestimmte Autorin, einen bestimmten Autor als Vorbild?
Ich habe kein Vorbild, hatte ich noch nie, weder in Sachen Literatur noch in der Musik. Da bin ich wohl eine Ausnahme, wenn ich mich mit meinem Umfeld vergleiche. Doch dies kann auch ein Vorteil sein. Man ist weniger versucht, sich vom Vorbild so sehr inspirieren zu lassen, dass die eigene Persönlichkeit verloren geht.

Welches ist Dein Lieblingsbuch?
Auch ein Lieblingsbuch habe ich keines. Ich lese alles, was spannend ist. Dies können sowohl historische Romane, wie ich sie selber schreibe, als auch Krimis sein. Hauptsache, die Geschichte ist packend und lässt mich nicht mehr los. Was ich allerdings gar nicht mag, sind Romane, auf denen auf den ersten Seiten bereits so viele Personen erwähnt werden, dass man den Überblick völlig verliert. Solche Bücher lege ich möglichst schnell wieder zur Seite, auch wenn es sich beim Autor durchaus um einen renommierten Schriftsteller handelt.

Welches ist Deine liebste literarische Figur?
Dies können sowohl Frauen wie Männer sein. In meinem ersten Roman war es zum Beispiel ein Mann von Adel, bei meinem jetzigen Werk ist es hingegen eine junge Frau. Ich versuche, den Figuren sowohl etwas Menschliches wie auch etwas Geheimnisvolles, Mystisches zu geben. Allerdings müssen sie stark sein, um den Weg zusammen mit mir auszuhalten. Stärke ist etwas Wichtiges, denn die Protagonisten müssen den Leser faszinieren, ihn mit einem guten Gefühl durch die Geschichte bringen und am Schluss, so Gott will, auch zu einem Happy End führen.

Hast Du eine ganz bestimmte Lieblingsstelle in einem Buch?
Immer dann, wenn es so packend wird, dass ich das Buch nicht mehr weglegen möchte, auch wenn ich weiß, dass ich am nächsten Morgen früh aufstehen muss. Solche Stellen liebe ich.

Wie sehen Deine Schreibpläne für die Zukunft aus?
Im Oktober dieses Jahres wird mein erster historischer Roman im Kameru-Verlag erscheinen. Ich freue mich riesig darauf und natürlich auf all das, was noch auf mich zukommen wird. An dieser Stelle vielleicht eine kleine Bemerkung: Je mehr Bücher verkauft werden, umso größer wird die Chance, dass auch mein zweites Werk auf den Markt kommt. Zurzeit schreibe ich an einem weiteren historischen Roman, der – wie schon erwähnt – als Protagonisten eine junge Frau hat. Das Werk ist beinahe fertig.

Nach welchen Kriterien wählst Du Deine Geschichten aus?
Wie ich zu meiner Geschichte gelange, ist schwierig zu sagen. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, über jede Burg oder Ruine in unserer Gegend eine Geschichte zu schreiben. Zuerst bin ich wochenlang mit Recherchearbeiten beschäftigt, denn jedes meiner Werke hat einen historischen Hintergrund. Dabei stoße ich oft auf Daten, Fakten oder Besonderheiten im Leben der Menschen auf der jeweiligen Burg, die mich gefangennehmen. Ich versuche mir dann das Leben damals vorzustellen und dabei springt mir auch eine Person ins Auge, die mein Protagonist werden wird. So in etwa funktioniert dies bei mir, mehr oder weniger.

Kennst Du Deine Charaktere in- und auswendig?
Eigentlich schon, auch wenn ich sagen muss, dass es mir bedeutend leichter fällt, mich in eine Frau hineinzuversetzen als in einen Mann. Doch hier kommt mir mein Beruf zu Hilfe. Als Medizinische Praxisassistentin lernt man jeden Tag so viele verschiedene Menschen und ihre Leiden, Bedürfnisse und Vorlieben kennen, dass ich mich wohl mittlerweile auch mit der Rolle eines Mannes bestens identifizieren kann.

Wer sind Deine ersten Probeleser?
Wenn es sich um Kurzgeschichten handelt, wie zum Beispiel die Abenteuergeschichten und Märchen, erschienen im GMG-Verlag, wo ich jeweils eine Geschichte veröffentlicht habe, dann kommt meine Familie zum Einsatz. Ihre Meinung ist mir sehr wichtig. Beim meinem Roman hingegen hatte ich keinen Probeleser. Sei es, weil ich auf meine Darsteller keine Kritik kommen lassen wollte, oder vielleicht auch deshalb, weil ich mein Umfeld ganz einfach überraschen wollte.

Gibt es Genres oder Textgattungen, an die Du Dich nicht wagst oder die Dich nicht interessieren?
Fantasy-Romane, die in der Zukunft spielen, sind nicht so mein Ding. Das Ganze scheint mir zu unrealistisch, zu spekulativ oder einfach zu weit hergeholt. Dies ist meine ganz persönliche Meinung und ich will damit keineswegs die Leistung dieser Autoren schmälern. Diese finden vielleicht historische Romane nicht so ganz ihre Sache. Das ist eben Meinungsfreiheit und die soll auch in der Bücherwelt stattfinden dürfen.

Bücher 

Das Mündel der Hexe. Historischer Roman

ISBN: 978-3-426-21667-5

Erneut entführt Doris Röckle ihre Leser in das historische Rhyntal des 14. Jahrhunderts. Die Heldin Ita erwartet eine spannende Reise voller Rätsel und Geheimnisse.

Rhyntal 1354: Die junge Konstanzerin Ita erfährt kurz vor der Verbrennung der als Hexe angeklagten Almut, dass diese nicht ihre leibliche Mutter ist. Nur mit einem Bernsteinkreuz als Hinweis begibt sich Ita im Gefolge einer Gauklertruppe auf die Spuren ihrer wahren Herkunft. Doch der Weg ins ferne Rhyntal ist weit und gefährlich.

Schon bald überstürzen sich die Ereignisse, als ein päpstlicher Konvoi überfallen wird und die seit Jahrhunderten verschollenen Codices und Schriftrollen aus der einstigen Bibliothek von Alexandria verschwinden. Nur einem Zufall ist es zu verdanken, dass Ita erfährt, wo sich die Beute befindet. Kurzerhand entschließt sie sich, zu handeln. Die Suche nach ihrer Mutter vorerst völlig vergessend, begibt sie sich in die Höhle des Löwen …


Die Flucht der Magd. Historischer Roman

ISBN: 978-3-426-21586-9

Ein opulenter historischer Roman um eine junge Magd, ein adeliges Kind, die verfluchte Lanze des Longinus und den Machtkämpfen zwischen Kirche und Krone.

Rhyntal 1322: Eines Nachts trifft eine Kutsche mit merkwürdiger Fracht auf der Burg Montfort ein. Bald macht das Gerücht die Runde, dass sich in der Dachkammer sonderbare Dinge abspielen. Hanna und Lena, zwei junge Mägde, gehen der Sache auf den Grund und finden heraus, dass in der Einsamkeit der Kemenate ein kleiner Junge eingesperrt ist. Als Lena vom Grafen schwanger und nach Konstanz abgeschoben wird, beschließt Hanna gemeinsam mit dem Kind die Flucht ins ferne Rhyntal. Auf der Burg Hohensax angekommen, holt Hanna die Vergangenheit ein und sie wird der Kindesentführung und der Hexerei angeklagt. Ein Hexenprozess kommt dem Freiherrn der Hohensax gerade recht. Gierig nach Macht und Reichtum setzt er alles daran, einen guten Eindruck auf König Ludwig den Bayern zu machen, dessen Bote in Kürze eintreffen soll, um eine Jahrhunderte alte Reliquie, die Lanze des Longinus, in Empfang zu nehmen. Dank der Intervention des Dorfklerikers wird Hanna jedoch erst eine Wasserprobe gewährt, ehe sie auf dem Scheiterhaufen brennen soll. Hanna nutzt die Gelegenheit und den damit verbundenen Weg in die Freiheit.



Weitere Veröffentlichungen 

(Auswahl)

  • Mittelalterfeeling. Burg Gutenberg in Balzers. In: Liechtenstein. Klein, aber oho. Lieblingsplätze zum Entdecken. Meßkirch 2016.
  • Die Amphore des Eremiten. In: Eine kleine Emmentaler Nachtmusik und andere historische Geschichten. Langnau 2015.
  • Finstere Machenschaften. In: Auf dem Lande. Eine Anthologie für Sehnsüchtige. Langnau 2013.
  • Gefährliche Neugier. In: 55 Abenteuergeschichten aus Liechtenstein. Vaduz 2006.
  • Fünf ist einer zu viel. In: 25 Gruselgeschichten aus Liechtenstein. Vaduz 2007.