Karin Mayerhofer Dobler
Autorin


Bio-bibliografische Angaben

Karin Mayerhofer Dobler, geboren 1960 in Vaduz, lebt seit 1964 in der Schweiz am Jurasüdfuß. 1990 Lizentiat in Psychologie, Neuerer Deutscher Literatur und Medienwissenschaften an der Universität Bern. Zusatzausbildung zur Berufsberaterin und Begleitung von Menschen mit einer Behinderung. Zwei Töchter, geboren 1997 und 1999. Beginn der Schreibarbeit 2003. Erste Gedichte 2006, Geschichten für Kinder, ›Bettmümpfeli-Geschichten‹ in der Online-Ausgabe des Magazins ›Schweizer Familie‹, diverse Texte für Erwachsene. Gewinnerin Text des Monats Dezember 2013, Literaturhaus Zürich.



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10 Fragen …


Wie verläuft Dein Schreibprozess?
Geschichten und Worte sprudelten schon immer in meinem Kopf. Das, was ich sagen wollte, in eine verständliche Sprache zu bringen, zu ordnen, musste ich erst mühsam lernen. Je weiter ich kam in den Schuljahren, desto länger wurden meine Texte. Meine Deutschlehrerin am Gymnasium hat die vielen Aufsatzseiten geduldig gelesen und mich kräftig ermuntert, das Chaos zu ordnen. Nach der Matura habe ich als Ortskorrespondentin von Lengnau bei Biel (CH) für verschiedene Zeitungen mit eher kurzen, aber eigenen Texten über das lokale Geschehen die Sporen abverdient und dank der redaktionellen Kürzungen kräftig dazugelernt. Sehr gerne überarbeitete ich die Lebensläufe der Verstorbenen, die ich direkt vom Pfarrer bekam. Hier durfte der Text lang bleiben und ich brachte ihn gerne in eine würdige Form.

Ich liebe das Wunderbare an Mensch und Tier und verpacke es gern in eine berührende Geschichte.

Während des Germanistikstudiums in Bern konnte ich 1987 ein Schreibseminar an der ETH in Zürich besuchen. Adolf Muschg hatte Christa und Gerhard Wolf aus der ehemaligen DDR nach Zürich eingeladen. Mit einem eigenen Text musste ich mich bewerben. Mit Gerhard Wolf traf ich zum ersten Mal auf einen Lyriker. Ich staunte über seine herzliche Art. Ich hatte mich so auf Christa Wolf gefreut, erlebte sie aber als sehr strenge und unnahbare Person. Während des Seminars mussten wir alle denselben Tag beschreiben, den 6. November 1987 in Anlehnung an Christa Wolf, die über viele Jahre hinweg immer denselben Jahrestag ihres eigenen Lebens porträtiert hat. Es war sehr spannend, selbst einen Tag zu erleben und ihn gleichzeitig zu beschreiben. Absolut faszinierend war es, danach auch die Texte der anderen über ihren 6. November zu lesen. Ich reiste an diesem Tag mit dem Zug nach Innsbruck, wo mein Freund seinen Auslandaufenthalt für sein Germanistikstudium absolvierte. Zehn Jahre später habe ich genau an diesem Tag meine erste Tochter geboren. Hätte ich 1988 weitergeschrieben, wäre dieser Tag in meinem Buch vorgekommen.



Hast Du eine bestimmte Autorin, einen bestimmten Autor als Vorbild?

Mein Vater hat immer gerne Sagen-Geschichten erzählt. Wenn er die unheimlichen Sagen vom Fürstentum Liechtenstein in FL-Mundart erzählte, dann gruselte es mich und ich ängstigte mich als Kind fast zu Tode, doch ich liebte seine Leidenschaft beim Erzählen. Meine Mutter schenkte mir nach dem Zahnarztbesuch jeweils ein Pixi-Buch, das sie mir auf Hochdeutsch vorlas. Neben den Pixi-Büchern von Petzi und seinen Freunden gab es auch Märchen wie Schneewittchen und andere Geschichten. Zwei Bücher waren meine Liebsten, ein Sagenbuch und Grimms Märchen. Den Struwwelpeter hatten wir auch, aber den mochte ich nicht, und natürlich hatten wir das Buch mit den Streichen von Max und Moritz. Die Autoren interessierten mich nicht. Es waren die Geschichten und im Märchenbuch auch die farbigen Bilder, die mich faszinierten.

Während der Gymnasiumzeit lernte ich verschiedene Autoren und literarische Epochen kennen. Aber auch da war es immer die Geschichte, die mich faszinierte.

Während des Studiums schrieb ich Buchbesprechungen für die Zeitung, den kleinen Bund. Ich sah mir Bücher querbeet an, auch Fotobände und schrieb darüber. Ich studierte Neuere Deutsche Literatur an der Universität Bern, und da wurden wir gezwungen, sehr viel zu lesen, sodass ich nach dem Studium wirklich genug hatte und eine Zeit nicht mehr las. Erst mit den eigenen Kindern bin ich wieder voll in die Welt der Bücher eingetaucht. Ich landete erneut bei Grimms Märchen und fand neue Bücher mit Kindergeschichten.


Welches ist Dein Lieblingsbuch?
Grimms Märchen ist eines meiner Lieblingsbücher. Die Pixi-Bücher nehme ich immer noch gerne zur Hand, erinnern sie mich doch vor allem an meine Mutter. Ich lese sehr gerne querbeet, Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbücher. Zurzeit eher letztere. Es interessiert mich immer, was meine Schreibkollegen schreiben und ihre Bücher lese ich besonders gerne. Ich habe ein Bibliotheksabonnement. Da muss ich dann ein Buch auch nicht lesen, wenn es mich doch nicht anspricht. Krimis lese ich erst seit etwa zwei Jahren.

Welches ist Deine liebste literarische Figur?
Mein liebstes Grimm-Märchen ist ›Die Gänsemagd‹. In diesem Märchen kommt vieles vor, was ich mag: eine Liebesgeschichte, Tiere, die zu der Gänsemagd gehören, eine Mutter- und eine Vaterperson (der König), der sie vertrauen kann, aber auch mehrere Prüfungen und Widrigkeiten, die sie überwinden muss. Ich mag es, wenn eine Geschichte gut ausgeht.

Hast Du eine ganz bestimmte Lieblingsstelle in einem Buch?
Es gibt verschiedene Lieblingsstellen. Das macht ja ein gutes Buch aus, dass ich dort mehrere gute Stellen finde, die mich im Moment besonders berühren. Am Schluss der Gänsemagd finde ich besonders schön, dass der alte König der Gänsemagd vorschlägt, sie solle ihre Geschichte doch dem Kachelofen erzählen, weil sie ihre Geschichte doch keinem Menschen erzählen darf, um ihr Versprechen nicht zu brechen. Durch ein Loch im Kachelofen hört sich der König nun alles an und erlöst die Gänsemagd, die ja in Wahrheit eine Königstochter ist.

Wie sehen Deine Schreibpläne für die Zukunft aus?
Gute Frage. Ich möchte an den FL-Mundartgeschichten weiterschreiben und ich habe ein Projekt, das ich noch nicht verraten möchte.

Nach welchen Kriterien wählst Du Deine Geschichten aus?
Ich habe eine Idee, die ich mit mir herumtrage, und dann kommt der konkrete Anlass, wo ich die Idee zu Papier bringe. Bei meiner Kinder-Schneckengeschichte ›Du schaffst es, Rosalba!‹ war es so, dass ich die Schnecken bei meinem Magnolienbaum täglich beobachtet habe. Eines Morgens bin ich mit einer Geschichte aufgewacht und habe sie sofort aufgeschrieben.

Bei meiner Kurzgeschichte ›Kenne ich Sie?‹ war es so, dass ich beim Aufräumen in meinem Nachttisch einen Textanfang, der mir offenbar irgendwann in den Sinn gekommen ist und den ich damals aufgeschrieben habe, fand. Am gleichen Tag war Abgabetermin für den Schreibwettbewerb und da habe ich auch gleich die ganze Geschichte geschrieben.

Meine vier FL-Mundartgeschichten habe ich konkret als Bewerbung für die Morgengeschichte beim Schweizer Radio geschrieben.

Kennst Du Deine Charaktere in- und auswendig?
Da ich noch keinen Roman geschrieben habe, war das bisher nicht nötig. In den Kurzgeschichten und kurzen Texten, die ich bisher schrieb, wusste ich genau, wen ich und vor allem was ich genau beschreiben will.

Wer sind Deine ersten Probeleser?
Bisher hatte ich noch nie Probeleser. Ich lese mir den Text während dem Schreiben immer wieder laut vor, bis Klang und Wortfluss stimmen. Erst, wenn die Geschichte für mich stimmt, gebe ich sie zum Lesen frei, bisher war sie dann auch immer schon fertig. Da ich zuerst als Journalistin schrieb, bin ich es gewohnt, einen fertigen Text zu schreiben.

Gibt es Genres oder Textgattungen, an die Du Dich nicht wagst oder die Dich nicht interessieren?
Eine Geschichte, die mich interessiert, muss positive Gefühle vermitteln, sie soll erfreuen, zum Denken anregen und darf ruhig die Welt ein wenig verbessern. Die Geschichten haben bisher meist autobiografische Züge, da ich die eigenen Gefühle am besten beschreiben kann. Ich habe auch schon Gedichte geschrieben, dabei interessiert mich das Gefühl, dem ich dann mit Worten Raum gebe. Was ich vermutlich nie schreiben werde, sind Krimis oder Horrorgeschichten. Das liegt mir einfach nicht. Was ich hingegen gerne schreiben würde, ist ein Roman. Vermutlich muss ich dazu aber noch ein wenig reifer werden. ;-)




Veröffentlichungen 

(Auswahl)

  • Von der Spinnerei zur Denkfabrik. Erst Spinnerei, heute Uni Liechtenstein, in Vaduz. In: Liechtenstein. Klein, aber oho. Lieblingsplätze zum Entdecken. Meßkirch 2016.
  • Kenne ich Sie? In: Die Frau im Zug. Heitere Geschichten aus der Schweiz. Winterthur 2014
  • Gegenpart. In: Literarische Beiträge mit 5 Wörtern vom Wortgenerator. Literaturhaus Zürich 2013
  • Susi mag keinen Schnee. In: Schweizer Familie Online (02.03.2011) sowie Coopzeitung Online (27.02.2012)
  • Susi und der geheimnisvolle rote Ballon. In: Schweizer Familie Online (25.05.2011) 
  • Heute Abend nehme ich dich mit … In: Schweizer Familie Online (13.04.2011) 
  • Du schaffst es, Rosalba! In: Schweizer Familie Online (30.03.2011) 
  • Wandlung. In: Gedicht und Gesellschaft, Frankfurt 2007

Artikel und Kolumnen in:
  • www.mattschiibe.ch

Die Frau im Zug. Heitere Geschichten aus der Schweiz

ISBN: 978-3-9523734-6-0

Wer ist die Frau im Zug? Ist sie Lokführerin, Billettkontrolleurin oder die Frau, die Ihnen gegenüber sitzt und Zeitung liest? Schaut sie aus dem Fenster, schnarcht sie, hat sie womöglich ein Geheimnis? 41 Geschichten, oft mit einem Augenzwinkern, führen uns von einer Frau im Zug zur nächsten. Lassen Sie sich überraschen!

Die Anthologie enthält den Beitrag ›Kenne ich Sie?‹ von Karin Mayerhofer Dobler.