Karl Rühmann
Autor, Lektor, Übersetzer

Bio-bibliografische Angaben

Karl Rühmann verbrachte seine Kindheit in Jugoslawien und in den USA. Er studierte Germanistik, Hispanistik und Allgemeine Literaturwissenschaft in Zagreb und Münster. Einige Jahre unterrichtete er Deutsch und Geschichte am BZB und in Skanderborg in Dänemark, wechselte dann in die Verlagswelt und arbeitete als Lektor und Lizenzmanager. Seit 2006 lebt er als freier Lektor, Literaturübersetzer und Autor in Zürich. An der Story Academy der SAL leitet er den Lehrgang Literarisches Schreiben. Karl Rühmann schreibt für Kinder und Erwachsene. Seine Bücher sind in viele Sprachen übersetzt worden. Für den Roman ›Glasmurmeln, ziegelrot‹ wurde er mit dem Werkjahr der Stadt Zürich ausgezeichnet. Rühmann ist außerdem Autor des ›Lisa und Max‹-Bandes ›Der Laternenumzug‹.


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10 Fragen …


Wie verläuft Dein Schreibprozess?
Ich gehe nicht systematisch vor, notiere Ideen, wie sie mir zufallen, und zwar in ein Heft, das ich immer dabei habe. Später, beim Übertragen von Einfällen in den Computer, trenne ich Brauchbares vom Fruchtlosen und freue mich, wenn aus ein paar losen Enden ein halbwegs tragfähiger Erzählstrang entsteht.

Hast Du eine bestimmte Autorin, einen bestimmten Autor als Vorbild?
Nein, keine Vorbilder. Aber manche Autoren sind mir näher als andere, manche empfinde ich beinahe als Freunde – auch wenn ich nur ihre Geschichten oder Gedichte kenne. Dazu gehören etwa Jurek Becker, Hellmuth Opitz, Georg Büchner, Meša Selimović, Else Lasker-Schüler, Hilary Mantel, Hugo von Hofmannsthal ...

Welches ist Dein Lieblingsbuch?
Der Roman ›Der Derwisch und der Tod‹ von Meša Selimović. Die vier ›Terzinen über Vergänglichkeit‹ von Hugo von Hofmannsthal, aber auch Gedichte von Gottfried Benn, etwa ›Nachtcafé‹.  Büchners ›Woyzeck‹.

Welches ist Deine liebste literarische Figur?
Ich mag Figuren, die sich auf das Spiel mit dem Schein und Sein verstehen, die frech und mutig genug sind, ihre Mitmenschen spielerisch an der Nase herumzuführen: den genialen Hochstapler Felix Krull, den gestiefelten Kater, den Hauptmann von Köpenick.


Hast Du eine ganz bestimmte Lieblingsstelle in einem Buch?
Im Moment ist es ein Satz aus Charles Lewinskys ›Melnitz‹. Bei der Charakterisierung einer weiblichen Figur heißt es da: »Sie war niemandem im Herzen und niemandem im Weg.« Ein wunderbarer Satz, poetisch und nüchtern zugleich.

Wie sehen Deine Schreibpläne für die Zukunft aus?
Ich arbeite zurzeit an einem neuen Roman, er wird im Frühjahr 2020 erscheinen.

Nach welchen Kriterien wählst Du Deine Geschichten aus?
Ich wähle Figuren und Stoffe, die mir keine Ruhe lassen, die mich auf die eine oder andere Art irritieren. Und ich liebe das Erzählen, bin immer auf der Suche nach Geschichten, die so gut sind, dass man sie mit möglichst vielen Menschen teilen sollte.

Kennst Du Deine Charaktere in- und auswendig?
Nein, oft bleibt ein letzter Rest Fremdheit übrig, und das ist auch gut so. Erst wenn ich merke, dass meine Figuren nicht restlos durchschaut werden wollen, weiß ich, dass sie mir gelungen sind.

Wer sind Deine ersten Probeleser?
In der Regel gute Freunde, manche von ihnen auch Schriftsteller, manche einfach sehr gute, scharfsinnige Leser.

Gibt es Genres oder Textgattungen, an die Du Dich nicht wagst oder die Dich nicht interessieren?
Ich habe großen Respekt vor der Lyrik. Zwar habe ich da und dort versucht, Gedichte zu schreiben, aber ich musste einsehen, dass ich das nicht kann. So gerne ich Lyrik lese: Ich bleibe ein Geschichtenerzähler.


Bücher 

Glasmurmeln, ziegelrot. Roman

(ISBN: 978-3906304427)

»Vielleicht hätten wir ihn doch nicht retten sollen. Vielleicht hätten wir ihn und diese Spionin einfach ausliefern sollen. Unsere ostdeutschen Freunde wären uns sehr dankbar gewesen«, sagte er und versuchte, mit dem Blick den Rauch einzufangen, der zur Decke hinaufschlich. »Aber vielleicht können wir unseren Fehler noch korrigieren.« 

Das Kind wächst während des Kalten Krieges in einem osteuropäischen Land auf, als Fremder von seinen Mitschülern gehänselt und von der Staatsmacht schikaniert. Es gibt vieles, was das Kind nicht verstehen kann
und auch nicht verstehen soll. Um damit fertig zu werden, zieht es sich in seine Sprache zurück, die nur es selbst und die Mutter einschließt. Es verwandelt alles in Geschichten und schafft so aus Bedrohlichem Interessantes, aus Ungewissem Vertrautes. 

Mit der Zeit gewinnt das Kind immer mehr Sicherheit mit seinen Geschichten und somit auch mit einer Realität, die die Menschen mit hohlen Phrasen und absurden Regeln gängelt. Nach und nach erkennt das Kind, wie viel Macht im Erzählen liegt. 

Karl Rühmann gelingt es in diesem Episodenroman, prägnante Sprachbilder für die Welt seiner Hauptfigur, die er »das Kind« nennt, zu formulieren. Zugleich zeichnet er in feinen Szenen die Wirkungsmacht der Fantasie.


Buchtrailer "Glasmurmeln, ziegelrot"


Eine wundersame Reise

(ISBN: 978-3-907114-01-8)

»Möchtest du noch mehr von der Welt sehen? Dann komm zu mir …« Immer höher hinaus! Lass uns mit der Schaukel schwingen, auf den Baum klettern, den Dachboden erforschen, einen Riesenturm besteigen, mit dem Ballon fliegen oder mit dem Raumschiff ins All starten … Unsere Fantasie kennt keine Grenzen. Dieses einzigartige Bilderbuch ist eine Einladung zu einer Entdeckungsreise und ein heiteres Plädoyer für das Lesen und Geschichtenerzähler.

›Eine wundersame Reise‹ ist ein Bilderbuch mit Text von Karl Rühmann und Illustrationen von Susanne Smajić. 


Lisa und Max. Der Laternenumzug

(ISBN: 978-3-907114-01-8)

Lisa und Max, die Zwillinge, wohnen im kleinen Land Liechtenstein. Heute ist ein besonderer Tag: Lisa und Max sollen beim St. Martins-Umzug im Nachbarsdorf Ruggell mitmachen. Die Laternen sind fertig, alle Kinder sind da, der Umzug kann beginnen. Doch dann ist Berti der Plüschhamster verschwunden. Er gehört der kleinen Moni, und sie ist natürlich untröstlich … Was nun? Zum Glück ist Mischa dabei, der große Hund von Lisa und Max. Er weiß, was zu tun ist, damit Berti den Umzug nicht verpasst. – ›Der Laternenumzug‹ ist das Monatsbuch November der ›Lisa und Max‹-Reihe. Die Illustrationen zum Bilderbuch stammen von Christa Unzner.