Mathias Ospelt
Autor, Kabarettist


Bio-bibliografische Angaben

Mathias Ospelt aus Vaduz, Jahrgang 1963, ist 
Autor, Kabarettist und Veranstalter. Fraglos kann man ihn als kulturellen Schwerarbeiter bezeichnen, denn seit 1994 schrieb er 17 Kabarettprogramme, vier Theaterstücke, drei Festspiele und fünf Musical-Libretti. Daneben brachte er sechs Bücher heraus (auch landeskundliche), übersetzte Kinderbücher, schrieb zahllose Kolumnen und Glossen und war als Songtexter für Liechtensteiner Bands und Musikprojekte tätig. Für seine literarische Arbeit erhielt Mathias Ospelt mehrere Auszeichnungen, er gab zahlreiche Lesungen im In- und Ausland und war in Funk und Fernsehen zu hören und zu sehen.

Mathias Ospelt sorgt immer wieder für hochkarätigen Spaß auf nationalen, regionalen und internationalen Bühnen. Mit seinem Bruder Ingo Ospelt und dem Musiker Marco Schädler begründete er die Kabarettformationen ›Das LiGa‹ (1994-2006) und ›Ospelt, Ospelt und Schädler‹ (seit 2009). 25 Mal führte er zudem mit Marco Schädler das Satireprojekt ›SchlösselTV‹ auf (2007-2017). Seit 1996 organisiert er gemeinsam mit Hansjörg Quaderer die Liechtensteiner Literaturtage und 2003 gründete er mit Freunden das Vaduzer Kleintheater Schlösslekeller, in dem er immer wieder auftritt. Mathias Ospelt ist Präsident des P.E.N.-Clubs Liechtenstein und Vorsitzender des Writers-In-Prison-Committee Liechtenstein. Seit Februar 2017 arbeitet er für die Gemeinde Vaduz an einem genealogischen Projekt (Familienchronik Vaduz).




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Wie verläuft Dein Schreibprozess?
Die Texte der letzten Jahre sind mehrheitlich auf dem Fußweg zur oder von der Arbeit entstanden. Während des ca. 25-minütigen Spaziergangs durch den Wald lasse ich Geschichten, Dialoge, Szenen oder Konzepte entstehen, die ich bei der Ankunft in Stichworten aufnotiere. Erscheint mir die Skizze bei späterer Prüfung immer noch gut, hämmere ich die Geschichte, die Dialoge oder die Szenen bei gegebener Zeit in eine Word-Datei. Meistens nachts. Es ist aber keinesfalls so, dass ich auf diesen Spaziergängen ausschließlich schöngeistig unterwegs bin. Meistens denke ich mich während dieser 25 Minuten in Rage und versuche, irgendwelche Vollidioten aus meinem System zu spülen. Woraus indirekt wieder Texte entstehen können.

Hast Du eine bestimmte Autorin, einen bestimmten Autor als Vorbild?
Mit Vorbildern ist das so eine Sache. Da ich es in früheren Jahren nie geschafft habe, erfolgreich irgendwelchen Vorbildern nachzueifern, habe ich mich irgendwann von diesem Motivationskonzept verabschiedet. Es gibt aber durchaus Autoren, deren Leben und Schreiben ich faszinierender finde als dasjenige anderer Literaten. Früher waren das vor allem Borchert, Fried, Kästner (Lyrik) und O’Brien, später Kraus, Glauser, Meienberg und McGrath und noch später Gernhardt, Haas, Polt und Banks.


Welches ist Dein Lieblingsbuch?
Ich komme immer wieder auf ›The Third Policeman‹ von Flann O’Brien zurück. »Not everybody knows how I killed old Phillip Mathers, smashing his jaw in with my spade«, ist für mich einer der gelungensten Einstiege in eine Erzählung. Wobei ich die deutsche Übersetzung (Harry Rowohlt) für einmal sogar vorziehe: »Es ist nicht allgemein bekannt, wie ich den alten Phillip Mathers umgebracht habe; ich zerschmetterte ihm die Kinnlade mit meinem Spaten.« Während meiner Studienzeit hielt ich einmal einen Vortrag über de Selbys Behauptung »A journey is an hallucination«, die in Kapitel IV des Romans vorgestellt wird. (De Selby ist eine von O’Brien entwickelte literarische Figur.) Als ich merkte, dass sich mein Professor während des Vortrages eifrig die gefakten Literaturangaben zu de Selby aufnotierte, war dies eine Art Initialzündung für meine zukünftigen satirischen Tätigkeiten.

Welches ist Deine liebste literarische Figur?
Vielleicht ist es tatsächlich der namenlose Ich-Erzähler aus ›The Third Policeman‹. Er ist mir jedenfalls in vielerlei Hinsicht ans Herz gewachsen.

Hast Du eine ganz bestimmte Lieblingsstelle in einem Buch?
Der Schluss von ›The Third Policeman‹: »›Is it about a bicycle?‹ he asked.« Spektakuläres so unspektakulär zu beschreiben, war für mich als junger Mensch eine unglaubliche Leseerfahrung. Und die Darstellung einer Handlung in einem abgeschlossenen Kreis hat mich maßgeblich beeinflusst.

Wie sehen Deine Schreibpläne für die Zukunft aus?
Seit längerer Zeit schreibe ich mehr oder weniger nur im Auftrag: Stücke, Libretti, kurze Texte, kabarettistische Szenen. Ich habe ein größeres Projekt im Kopf, komme aber nach wie vor nicht dazu, es umzusetzen. Ich habe es daher für zehn Jahre auf Eis gelegt, um mein Umfeld nicht weiter damit zu nerven.

Nach welchen Kriterien wählst Du Deine Geschichten aus?
Wie bereits erwähnt: Die meisten Texte entstehen zurzeit im Auftrag. Da sind viele Kriterien bereits vorgegeben.

Kennst Du Deine Charaktere in- und auswendig?
Nein. Da ich sie grundsätzlich alle sehr gerne mag, respektiere ich auch ihre Privatsphäre.

Wer sind Deine ersten Probeleser?
Beim Kabarett sind es meine Bühnenkollegen Ingo und Marco. Bei Texten, die ich vortrage, gibt es keine »Probeleser«, sondern nur »Probehörer«. Wobei die »Probehörer« gleichzeitig auch die eigentlichen Hörer sind.

Gibt es Genres oder Textgattungen, an die Du Dich nicht wagst oder die Dich nicht interessieren?
Zeitgenössische experimentelle Literatur interessiert mich kaum. Unstrukturierte Befindlichkeitslyrik ist mir ein Graus. Solche Dinge würde ich nur aus satirischem Interesse verfolgen. Und dann gibt es auch noch die Essays. Die sollen diejenigen schreiben, die das auch wirklich gut können.

Bücher 

Das LiGA. Das Liechtensteiner Gabarett. 1994-2006

ISBN: 978-3-902525-97-0

Liechtensteiner Realsatire und kabarettistische Entwicklungsarbeit: Seit 1994 gibt es in Liechtenstein Das LiGa, das Liechtensteiner Gabarett, mit dem sich die Brüder Ingo und Mathias Ospelt sowie Marco Schädler alljährlich mit einem neuen literarisch-politischen Kabarettprogramm in die gelebte Liechtensteiner Realsatire einmischten. ›Das LiGa 1994-2006‹ bietet die Gelegenheit, Auszüge aus zwölf Jahren kabarettistischer Entwicklungsarbeit in Liechtenstein nachzulesen.

Zusammengestellt vom Texter Mathias Ospelt, mit Fotos von Uve Harder.

Jürgen Schremser schreibt in seiner Kritik in ›Literaturgespinst Liechtenstein‹, ›Das LiGa‹ sei »[e]in Lesevergnügen im selbstparodistischen Ping-Pong von Bühnendeutsch und Idiom.«


Als Vaduz noch seinen Hafen hatte. Geschichten

ISBN: 3-86142-283-2

(nur noch antiquarisch lieferbar)

Sagen und Mythen spielen in der Geschichte Liechtensteins bis heute eine große Rolle. Ebenfalls Naturgewalten, die noch bis vor wenigen Jahrzehnten das Land regelmäßig bedrohten. Mathias Ospelt erzählt und erfindet Geschichten, welche die Kraft und Dramatik der liechtensteinischen Sagen und Mythen wieder in den heutigen Alltag holen. Ganz in der Jetztzeit dagegen sind drei andere Geschichten angesiedelt, die den Lebensläufen und Seinsweisen von gewöhnlich-ungewöhnlichen Zeitgenossen nachspüren und sich mit den Ritualen unseres Lebensalltages beschäftigen. In ›Als Vaduz noch seinen Hafen hatte‹ meldet sich ein begabter Erzähler, von dem man noch viel erwarten kann, mit seinem ersten Buch zu Wort.

Roman Banzer, Leiter des Literaturhauses Liechtenstein, schreibt im 2. Jahrbuch des Vereins: »Ospelt erzählt mit Tempo und Spannung. Die Dialoge wirken echt. Die Geschichte reisst mit, ist gut geplotet und fasert an keiner Stelle aus. […] Am Witz fehlt es auf alle Fälle nicht.«


Weintradition in Liechtenstein

ISBN: 978-3-905501-67-4

Seit 
über 1.000 Jahren wird im Gebiet des kleinen Fürstentums am Vorderrhein der Weinbau gepflegt. Und noch weit in das letzte Jahrhundert hinein waren die im Tal gelegenen Dörfer Liechtensteins stark von der Kultur des Weins geprägt. Auch wenn die Ausdehnung und die Lage des Kleinstaates verhinderten, dass hier »große« Weine entstanden, so ließen der Föhn und die jahrhundertealte Erfahrung der einheimischen Winzer äußerst beliebte Landweine reifen. Der Bildband ›Weintradition in Liechtenstein‹ gibt auf 168 Seiten einen Überblick über die Geschichte des heimischen Weins von der Römerzeit bis in die heutigen Tage. Dazu werden die einzelnen Weinbaugemeinden des Landes, ihre Winzer und Weine in Text und Bild vorgestellt. Gedichte und Geschichten zum Thema Wein runden den Gang durch Liechtensteins Reben ab. Der Bildband enthält Texte von Mathias Ospelt und Fotos von Wolfgang Müller.




Mathias Ospelt bei Giacobbo/Mueller




Weitere Veröffentlichungen 

(Auswahl)

  • Gagatum Dadastein. In: 15|10. Jahrbuch 10 des Literaturhauses Liechtenstein. Triesen 2016.
  • Heimat. In: Signum. Blätter für Literatur und Kritik. Dresden 2013.
  • Drei Nachrufe. In: All Hennaschess. von und zu witz. Jahrbuch 5 des Literaturhauses Liechtenstein. Triesen 2011.
  • Umbässa. In: Flucht.Punkt. Jahrbuch 4 des Literaturhauses Liechtenstein. Triesen 2010.
  • Deep in the Snow. In: Best European Fiction 2010. London 2009.
  • Erwin. In: Literaturgespinst Liechtenstein. Jahrbuch 2 des Literaturhauses Liechtenstein. Triesen 2009.
  • Weihnachtslied. In: Winter in Liechtenstein. Triesen 2003.
  • Mosikalischa Winter. In: Winter in Liechtenstein. Triesen 2003.
  • Im Schnee. In: Winter in Liechtenstein. Band 2. Triesen 2004.
  • standortbestimmung. ausgangspunkte. In: Europa erlesen: Liechtenstein. Klagenfurt 2000.
  • Liech-Ten-Stein. In: Europa erlesen: Liechtenstein. Klagenfurt 2000.