Roswitha Schädler-Risch
Autorin


Bio-bibliografische Angaben

Roswitha Schädler-Risch wurde Ende Januar 1939 im heutigen Landesmuseum in Vaduz geboren. In Vaduz, gleich neben der Volksschule, dem heutigen Postgebäude, verbrachte sie auch ihre Kindheit. Schon damals schrieb sie Erzählungen für ihre jüngeren Geschwister oder erfand Geistergeschichten und verschlang mit Begeisterung alles Lesbare. Als Erwachsene schließlich besuchte sie bei Hedda Welte während vier Jahren Schreibwerkstatt-Abende, machte in verschiedenen Lyrik-Anthologien wie auch bei der Dialekt-Reihe ›Wia ma bi üüs red‹ mit, einer Tonsammlung der liechtensteinischen Ortsmundarten. Für das Frauenstimmrecht-Jubiläumsjahr 1994 schrieb Roswitha Schädler-Risch eine kleine Theaterproduktion, bei der sie auch Regie führte. Des Weiteren war sie Autorin eines Krippenspiels, und mehrere ihrer Dialekt-Gedichte sind aufgenommen worden. Ihr Anliegen war es schon immer, den Liechtensteiner Dialekt, den »immer Wandelbaren«, wie sie ihn nennt, zu verewigen. Es existieren mehrere kleinere Aufführungstexte zu verschiedenen Themen. Fünf Mal hat sie Büttenreden – als erste Frau – bei der Schaaner Fasnacht gehalten. Zu Roswitha Schädlers 70. Geburtstag erschien das Büchlein ›dütsch und anderscht‹ mit Gedichten, Zeichnungen und Bildern aus den Jahren 1959 bis 2008.




10 Fragen …


Wie verläuft Dein Schreibprozess?
Ich sitze am Computer, schaue zuerst in die Mailbox, habe von Verwandten und Bekannten, Freundinnen einen Gruß, ein schönes Powerpoint. Sie grüßen, schreiben über kleine Begebenheiten. So ergibt sich eine etwas distanzierte Korrespondenz im Sinne einer Ansichtskarte aus den Ferien: »Hallo, mir geht es gut. Und Dir?« Es ist klar, dass dies nicht unter Schreiben geht. Doch plötzlich denke ich an gemeinsame Erlebnisse, vergleiche mit dem Heute und Jetzt: Ich sollte dies festhalten. Der Gedanke ist aber schon eine Art Pflicht. So tue ich es nicht. Vielleicht später einmal. Damit ich mich zum Schreiben hinsetze, brauche ich einen Anstoß, sprich »Tritt in den Hintern«. Das wäre zum Beispiel eine Anfrage zu einem Gedicht zu besonderen Anlässen, Jubiläen, Geburtstagsfesten. Gerne geschrieben habe ich anlässlich den verschiedenen Schreibwerkstätten, sei es in einem mehrjährigen Kurs bei Frau Hedda Welte oder in Bigorio, Tessin, wo wir mit Hans-Bernhard Hobi als Leiter der Schreibwerkstatt eine Woche im Franziskanerkloster geschrieben haben. Das machte Spaß und ich war fleißig, weil wir, eine Gruppe Schreibfreudiger, nur zum Schreiben dort waren. Dies ergibt, dass ich nicht täglich schreibe, keine Schreibgewohnheiten habe. Es kann vorkommen, dass mich ein im Tage aufgenommener Gedanke nicht mehr loslässt und dann in Form eines Gedichtes geschrieben wird. Es kann aber auch sein, dass dies, wenn es mich stört, in Form eines Leserbriefes aufscheint.

Hast Du eine bestimmte Autorin, einen bestimmten Autor als Vorbild?
Es gibt für mich keine bestimmte Autorin oder einen Autor, die ich als Vorbild sehen würde. Es gibt Bücher, die mir etwas sagen, damit schätze ich die Urheberin oder den Urheber. So gibt es viele. Ich schätzte die Art von Ephraim Kishon. Doch nicht alle seine Bücher habe ich mit demselben Interesse gelesen.

Imponiert hat mir das Buch von Ulla Hahn, ›Das verborgene Wort‹. Lebensgeschichten, die alles beinhalten: Drama, Liebe, Leiden, Intrigen, Machtkämpfe, Mobbing, Auferstehung aus dem »Schwarzen Loch« ins erhoffte Leben, Erfüllung des Lebenstraums oder teilweise desjenigen. ›Felders Traum‹ von Elmar Bereuter, die Geschichte eines Bauernbuben, geboren in Schoppernau, sein Weg zum anerkannten Schriftsteller, Pionier.

Der Drachenläufer‹ von Khaled Hosseini, die Lebens- und Leidensgeschichte eines afghanischen Buben, in gutem Hause aufgewachsen, und dessen Freund, der Bub des Chauffeurs seines Vaters. Dann der Krieg, Verlust des gesicherten Heimes bis zur Flucht der Familie nach Amerika.

›Die Wüstenblume‹ von Waris Dirie, die Überlebensgeschichte eines somalischen Mädchens, Flucht durch die Wüste, Flucht vor der Zwangsheirat der Elfjährigen mit einem alten Onkel. Mit ihrer Geschichte, hilft Waris Dirie ihren »Mitschwestern« in Somalia und in andern afrikanischen Staaten, wo die Mädchen beschnitten werden, dass diesem bestialischen Brauch ein Ende gemacht wird. Sie hat es am eigenen Leib erfahren mit fünf Jahren.

So könnte ich noch viele, interessante Bücher aufzählen, die mir gefielen, die ich meistens sofort an mir bekannte Lesefreudige verschenke, wie zum Beispiel: ›Die Frau des Metzgers‹, ›Die Asche meiner Mutter‹.


Welches ist Dein Lieblingsbuch?
In verschiedenen Lebensabschnitten gab es bestimmte Lieblingsbücher, so z. B. im Backfischalter: ›Der kleine Lord‹, ›Chrigeli‹ von Elisabeth Müller, ›Trotzkopf‹ und ›Trotzkopfs Brautzeit‹, nebst anderen Liebesgeschichten.

Als junge Mutter las ich fast alle Jeremias-Gotthelf-Bücher. Mir gefielen seine Art zu schreiben und auch die Charaktere, die er beschrieb.

Eugen Roths Gedichte sind witzig.

Krimis sehe ich mir am Bildschirm an. Dort mag ich hauptsächlich Agatha-Christie-Verfilmungen mit ihrer Hauptfigur Miss Marple, gespielt von Margaret Rutherford. Diese Figur finde ich so faszinierend, dass ich mir die Filme mehrmals angesehen habe. Donna-Leon-Krimis finde ich auch sehenswert, weil sie spitzfindig sind und nicht brutal.

Welches ist Deine liebste literarische Figur?
Diese erlebe ich im Theater. Dort werden die ausgedachten Figuren lebendig, wenn die Inszenierung stimmt und die Schauspieler gut ausgesucht ihren Part richtig spielen. So ergibt sich immer wieder eine andere liebste literarische Figur.

Hast Du eine ganz bestimmte Lieblingsstelle in einem Buch?
Habe ich momentan keine.

Wie sehen Deine Schreibpläne für die Zukunft aus?
Ich sollte endlich alle meine fast frei herumliegenden Blätter mit Texten und Gedichten ordnen, Erinnerungen notieren, aufschreiben. Vielleicht ein Buch. Ich sollte womöglich bald damit anfangen, damit ich vor meinem Lebensende noch damit fertig werde. Es schwirren noch so viele Geschichten, so viel Erlebtes, Lustiges, Trauriges in meinem Kopf herum. Ob das der Grund ist, dass es in meinem Kopf pfeift, Tinnitus?

Nach welchen Kriterien wählst Du Deine Geschichten aus?
Meine Geschichten sind vorhanden. Sie sollten nur noch geschrieben, ansichtig werden.

Kennst Du Deine Charaktere in- und auswendig?
Ja.

Wer sind Deine ersten Probeleser?
Vor allem Norman, mein Angetrauter.

Gibt es Genres oder Textgattungen, an die Du Dich nicht wagst oder die Dich nicht interessieren?
Krimis: Diese überlasse ich den Krimi-Spezialisten.

Bücher 

dütsch und anderscht. Gedichte – Zeichnungen – Bilder 1959-2008 

Das Büchlein ›dütsch und anderscht‹ ist als Teil von Roswitha Schädler-Rischs lyrischer Schreibarbeit anzusehen.
Laut Vorwort ist es gedacht »für jene, die vielleicht versuchen, ebenfalls nach solchen Beispielen zu schreiben, die Spass daran finden, eine eigene Lösung zu kreieren, mit Buchstaben und Wörtern zu spielen. Gedacht auch für Leser, die einfach Gedanken aufschnappen und sich damit befassen wollen.«
Die in verschiedenen Maltechniken gehaltenen Bilder sind Arbeiten Schädler-Rischs aus 50 Jahren.
Das Buch umfasst unter anderem Anagramme, Elfchen, Haikus, Limericks, Sonette und Wortspiele mit liechtensteinischen Nachnamen. Zudem werden im Anhang der interessierten Leserschaft Erläuterungen zur Phonetik der Oberländer Mundart gegeben.




Roswitha Schaedler-Risch




Weitere Veröffentlichungen 

(Auswahl)

  • Ein bäuerliches Wohnmuseum. Das Biedermannhaus in Schellenberg. In: Liechtenstein. Klein, aber oho. Lieblingsplätze zum Entdecken. Meßkirch 2016.
  • Generationentreff. Café Amann in Vaduz. In: Liechtenstein. Klein, aber oho. Lieblingsplätze zum Entdecken. Meßkirch 2016.
  • Tradition. Restaurant Adler in Vaduz. In: Liechtenstein. Klein, aber oho. Lieblingsplätze zum Entdecken. Meßkirch 2016.