Sabrina Vogt
Autorin


Bio-bibliografische Angaben

Sabrina Vogt wurde 1986 geboren und wuchs zuerst in Balzers, später dann in Triesenberg auf. Nach der Matura machte sie eine Ausbildung zur Grafikdesignerin in Innsbruck. 2008 begann sie ihr Studium in Kommunikationsdesign an der Hochschule Konstanz, welches sie mit Auszeichnung abschloss. Aus ihrer Bachelor-Thesis entstand ihr erstes gestalterisches und literarisches Werk: ›Hören-Sagen. Unterwegs in Liechtensteins Sagenwelt‹. In diesem Buch versucht sie, den Konflikt zwischen Schriftlichkeit und Oralität mit Hilfe verschiedener Kommunikations- und Gestaltungsmittel zu lösen, womit sie eine ganz besondere Beziehung zwischen Text und Gestaltung schafft. Heute arbeitet Sabrina Vogt freischaffend als Kommunikations- und Grafikdesignerin.




10 Fragen …


Wie verläuft Dein Schreibprozess?
In erster Linie bin ich Designerin, deshalb ist das Schreiben bei mir so eine Sache …

Oft habe ich eine ganz bestimmte Idee im Kopf, welche ich gerne in Textform zu Papier bringen möchte. Ich fange an zu schreiben, trinke zwei, drei Tassen schwarzen Kaffee, gieße die Blumen, setze mich hin, um weiter zu schreiben, mache einen Spaziergang trotz starken Regens mit Hund Björn, setze mich hin, um zu schreiben, und schaffe es sogar, ein paar Sätze hinzukritzeln, bevor ich einen unglaublichen Hunger verspüre und anfange zu kochen. So kann sich das viele Tage hinziehen, bis ich endlich den entsprechenden Text vor mir liegen habe. Man kann also sagen, dass ich eine wahre Expertin in der Schreib-Prokrastination bin.

Da ich ein sehr visueller Mensch bin, hilft es mir beim Schreiben, wenn ich meine Ideen zuerst skizziere oder eine Fotografie von einer passenden Szene vor mir liegen habe. Ohne ein bestimmtes Bild im Kopf, kann ich keinen guten Text schreiben.

Hast Du eine bestimmte Autorin, einen bestimmten Autor als Vorbild?
Als Autor bewundere ich vor allem Franz Kafka. Wie er seine abstrusen Ideen in einen unterhaltsamen und oftmals ironischen Text verwandelt, finde ich einfach genial. Seine Texte erzeugen direkt Bilder in meinem Kopf und regen meine Fantasie an. Ich lese aber auch sehr gerne Bücher von Stephen King, Adam Nevill, Yrsa Sigurdardottir, J.R.R. Tolkien, Simon Beckett und Hape Kerkeling. Es kommt mir dabei weniger aufs Genre an, wichtig ist, dass mich die jeweilige Story von Anfang an fesselt. Wenn ich selbst Teil der Geschichte werde und nicht aufhören kann zu lesen – ja, es sogar bedaure, dass das Buch bereits zu Ende ist –, dann ist der Verfasser dieses Buches ein Held für mich.


Welches ist Dein Lieblingsbuch?
Wie bereits erwähnt, lese ich die unterschiedlichsten Bücher. Ich mag die Abwechslung, sie erweitert meinen Horizont. Zum einen finde ich „Die Verwandlung“ von Kafka einfach Wahnsinn. Diese Geschichte brachte mich abwechslungsweise zum Weinen, Lachen und Nachdenken, wobei sie mich gleichzeitig unglaublich verwirrt hat.

Auch ›Der Herr der Ringe‹ finde ich klasse, unabhängig des großen Hypes um den Hollywoodstreifen. Ich finde, Tolkien hat eine unglaubliche, faszinierende Welt erschaffen, die bis ins kleinste Detail durchdacht ist. Das verdient großen Respekt.
Eines meiner absoluten Lieblingsbücher – und das bereits seit Kindertagen – ist ›Der kleine Prinz‹ von Antoine de Saint-Exupéry. Hinter dieser Geschichte verbergen sich viele interessante Gedankenexperimente, welche dazu einladen, die Dinge einmal von einer ganz anderen Seite zu betrachten.

Und dann gibt es natürlich noch die vielen Sachbücher über historische Mordfälle und Kriminalistik, welche mich nachts nicht schlafen lassen. Ich glaube, in meinem nächsten Leben werde ich Kommissarin beim Morddezernat …

Welches ist Deine liebste literarische Figur?
Spontan fällt mir da nur eine Figur ein – Goethes ›Faust‹. Von ihm durfte ich unglaublich viel fürs Leben lernen. Er erinnert mich an einige Menschen unserer Gesellschaft. Das Streben nach Macht, Erfolg und Reichtum ist so wichtig geworden, dass man dafür alles tun würde (sogar seine Seele verkaufen). Diese Leute vergessen dabei, was im Leben wirklich zählt. ›Faust‹ hat mir gezeigt, was mir in meinem Leben wichtig ist.

Hast Du eine ganz bestimmte Lieblingsstelle in einem Buch?
Die Stelle, welche mich wohl am meisten geprägt hat, ist jene im Buch ›Der kleine Prinz‹, in der der Prinz den Piloten auffordert, ihm ein Schaf zu zeichnen. Diese Szene hat mich als Kind so beschäftigt, dass ich eine ›Kiste mit Löchern‹ auf ein Blatt Papier gemalt und das dann in meinem Zimmer aufgehängt habe. Mein Schaf begleitet mich heute noch jeden Tag und erinnert mich daran, dass man manchmal nur die Blickrichtung ändern muss, um auf das gewünschte Ergebnis zu kommen.

Wie sehen Deine Schreibpläne für die Zukunft aus?
Das Schreiben gehört zu meinem Beruf und ist ein wichtiger Teil meiner Arbeit. Mein abgeschlossenes, erstes Buchprojekt hat mir aufgezeigt, dass meine Gestaltung durch das Schreiben optimal ergänzt und in manchen Fällen sogar noch verstärkt wird. Konkrete Pläne für die Zukunft schmiede ich aber bis jetzt noch keine. Sollte ich irgendwann wieder einmal irgendeine verrückte Idee ausbrüten, bin ich nicht abgeneigt, die Feder bzw. den Bleistift zu ergreifen und was Anständiges daraus zu machen.

Nach welchen Kriterien wählst Du Deine Geschichten aus?
Meine persönlichen Projekte entstehen meist aus einem Problem oder Gedanken heraus, welcher mich über längere Zeit immer wieder beschäftigt. Man könnte also sagen, dass die Ideen für Bücher meistens mich finden. Sie nisten sich bei mir ein, beginnen langsam zu wachsen und warten darauf, in die Tat umgesetzt zu werden. Manche gehen leider vorher ein, da ich sie zu wenig gieße, aber manche tragen später süße Früchte.

Kennst Du Deine Charaktere in- und auswendig?
Bis jetzt schon noch, aber es wäre natürlich toll, wenn sie sich bald selbstständig machen würden …

Wer sind Deine ersten Probeleser?
Meine Mutter Katharina und mein Freund Gernot. Sie kennen mich und wissen genau, was ich mit meinem Text ausdrücken möchte. Sie sagen mir ehrlich ihre Meinung dazu und geben mir sehr gute Ratschläge. Sie halten immer die passenden Argumente bereit, auch wenn ich mal wieder mit dem Kopf durch die Wand möchte …

Gibt es Genres oder Textgattungen, an die Du Dich nicht wagst oder die Dich nicht interessieren?
Sag niemals nie … Aber wenn ich ehrlich bin, werde ich wohl nie fesselnde Krimis, einfühlsame Gedichte oder philosophische Texte verfassen.

Bücher 

Hören-Sagen. Unterwegs in Liechtensteins Sagenwelt

ISBN: 978-3-99018-211-6

»Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.«

Dieses ›andere‹ Sagenbuch nimmt den Leser mit auf eine Reise zu verwunschenen Orten, an denen Geister, Hexen, Drachen, Zwerge, Riesen und Heilige ihr Unwesen treiben. Es lebt dabei nicht nur von einer zeitgemäßen Gestaltung, sondern von seiner an der mündlichen Kommunikation orientierten Wiedergabe der Sagen, um den Lesenden zum Erzählenden zu machen. Das das Geschichten-Erzählen gelernt sein will, gibt es eine Anleitung, wie man Geschichten erzählen sollte und wie man sie für den Zuhörer spannend gestalten kann. ›Hören-Sagen‹ ist für jeden gemacht. Für diejenigen, die sich für die Liechtensteiner Kultur und deren Sagen interessieren, die gerne mit Sprache experimentieren, die sich im Erzählen üben möchten, auf der nächsten Feier mit einer unheimlichen Geschichte auftrumpfen oder ihren Kindern amüsante und lehrreiche Moritaten auftischen wollen.




Weitere Veröffentlichungen 

(Auswahl)

  • Schaurig-schön. Wildschloss in Vaduz. In: Liechtenstein. Klein, aber oho. Lieblingsplätze zum Entdecken. Meßkirch 2016.
  • Geschichte(n) erwandern. Der WalserSagenWeg in Triesenberg. In: Liechtenstein. Klein, aber oho. Lieblingsplätze zum Entdecken. Meßkirch 2016.