Simon Deckert
Autor


Bio-bibliografische Angaben

Simon Deckert, Jahrgang 1990, wuchs in Liechtenstein in einer österreichischen Familie auf und lebt heute in St. Gallen. Nach zwei Semestern Anglistik und Philosophie wechselte er 2009 ans Schweizerische Literaturinstitut in Biel, wo er 2013 abschloss. Es folgte ein Schreibstipendium des österreichischen Ministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur in Wien. 2014–2017 absolvierte er den MA Contemporary Arts Practice an der Hochschule der Künste Bern. Seine Texte wurden in verschiedenen Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht; neben dem Schreiben ist er als freier Lektor und Mentor sowie als Musiker tätig.



Links/Multimedia:



Zum Wegwart (Blog von Simon Deckert und Julia Sutter)



10 Fragen …



Wie verläuft Dein Schreibprozess?
Meist gibt es zunächst eine Phase, in der eine Geschichte, Figuren, ein Thema in mir zu wachsen beginnen und langsam Gestalt annehmen. Während dieser Zeit schreibe ich noch nichts auf, höchstens ein paar Notizen. Dann kommt die Herausforderung, den richtigen Moment zu treffen, um mit dem Schreiben anzufangen. Wenn der Stoff im Kopf schon eine zu feste Form angenommen hat, lässt er sich im Schreiben nicht mehr gestalten. Er muss aber noch formbar sein, sonst kommt alles ins Stocken, bevor es richtig angefangen hat. Ist dieser Einstieg einmal gelungen, schreibe und überarbeite ich im Wechsel, solange der erste Schwung anhält. Dann schaue ich weiter.

Hast Du eine bestimmte Autorin, einen bestimmten Autor als Vorbild?
Es gibt Autorinnen und Autoren, die mich immer wieder beschäftigen und inspirieren. Ich glaube, das sind immer solche, die ein in irgendeiner Weise ausschweifendes Erzählen mit einer sehr klaren, aufgeräumten Sprache verbinden, etwa Peter Handke, Virginia Woolf oder Gabriel García Márquez.

Welches ist Dein Lieblingsbuch?

Das eine Lieblingsbuch gibt es für mich nicht.



Welches ist Deine liebste literarische Figur?
Auch da gibt es nicht die eine. Ich mag Figuren, denen man auf die Schliche kommen muss. Die sich selbst oder andere Figuren oder mich als Leser täuschen. Oder die genauso davon überrascht werden, was in ihnen steckt, wie ich. Der Reporter Pereira aus Antonio Tabucchis ›Erzählt Pereira‹ ist zum Beispiel so eine Figur.

Hast Du eine ganz bestimmte Lieblingsstelle in einem Buch?

Nein.


Wie sehen Deine Schreibpläne für die Zukunft aus?

Weiterschreiben.


Nach welchen Kriterien wählst Du Deine Geschichten aus?

Ich glaube, die Geschichten wähle ich nicht aus, auf die stoße ich, wenn ich mich entschieden habe, einer Spur zu folgen. Und Spuren gibt es im eigenen Leben viele. Welche einen gerade interessiert, welche man aufnehmen will, hängt wohl davon ab, wo man im Leben gerade steht.


Kennst Du Deine Charaktere in- und auswendig?

Nein, ich weiß nur so viel über meine Figuren, wie ich wissen muss, um ihre Geschichten zu erzählen.


Wer sind Deine ersten Probeleser?

Meistens meine Frau Julia, die ebenfalls literarisch schreibt. Und sonst Freundinnen oder Kollegen, mit denen mich im entsprechenden Moment gerade eine gedankliche Nähe verbindet. 


Gibt es Genres oder Textgattungen, an die Du Dich nicht wagst oder die Dich nicht interessieren?

Ich glaube, ich bin nicht in der Lage, Gedichte zu schreiben. Obwohl ich Lieder schreibe, oder vielleicht gerade deswegen; weil ich das Gefühl habe, ins Leere zu arbeiten, wenn ich versuche, ohne Musik zu dichten, zu der die Worte gehören.

Bücher 

Siebenmeilenstiefel

ISBN: 978-3-85869-889-6

Andrea stellt sich vor, auf dem Rücken eines Drachens über ihrem Dorf zu fliegen. Sie ist Anfang zwanzig, ihre Mutter hat die Familie vor zehn Jahren verlassen, der alkoholabhängige Vater bezieht Invalidenrente. Über solche Dinge wird zu Hause lieber geschwiegen, und Andrea erfährt am eigenen Leib: Wer über alte Geschichten nicht spricht, der wird sie auch nicht los.

Für ihren Bruder Michl, der lieber Rockmusiker als ein dorfbekannter Schulversager wäre, denkt Andrea sich eine Fluchtgeschichte aus. Als sie ihren Vater und seine Schwägerin bei einem Annäherungsversuch erwischt, merkt sie: Michls Fluchtgeschichte muss auch ihre eigene werden. Zwei Tage später sitzen die Geschwister im Pick-up des Onkels und suchen das Weite.

Andrea erzählt, erinnert, und sie erfindet. So auch eine kühnere Version ihrer selbst namens Ariane, die sie ermutigt, im wirklichen Leben über sich hinauszuwachsen – wenn sie sich, einmal in Basel, auf die Suche macht nach dem, was von ihrer Familie übrig ist. Und ein junger Mann namens Bastian auf dem Fahrrad um die Ecke kommt.

Klug, dialogstark und mit vergnüglicher Fantasie lässt Simon Deckert uns eine Reise miterleben, die die Vergangenheit einholt und die Zukunft mit Händen greift. Ein überraschendes Debüt!



Audiobooks

Klappstuhl-Lesungen Vol. 1. Labyrinth. Joseph und ich. Flügel nähen.

ASIN: B00JMLXU6Y

Dieses Hörbuch enthält drei Folgen der SWR2-Reihe ›Klappstuhl-Lesungen‹ (Bei den Klappstuhl-Lesungen wird an irgendeinem Ort in der Öffentlichkeit, z. B. im Bahnhof, auf einem Marktplatz usw., ein Klappstuhl aufgestellt, auf den sich der Sprecher setzt und vorliest). Autoren dieser Ausgabe sind: Simon Deckert, Francis Nenik und Rebecca Gisler.




Weitere Veröffentlichungen


(Auswahl)

  • Alpalalaika. In: The Under- & Overland Song Book. Jahrbuch 11 des Literaturhauses Liechtenstein. Triesen 2017
  • Musik und die Welt. Jazzclub Tangente in Eschen. In: Liechtenstein. Klein, aber oho. Lieblingsplätze zum Entdecken. Meßkirch 2016.
  • Der Rückzugsort. Das Grab Oskar Werners auf dem Friedhof in Triesen. In: Liechtenstein. Klein, aber oho. Lieblingsplätze zum Entdecken. Meßkirch 2016.
  • Warum die Qualle kein Rasiermesser braucht. In: Schlafes Bruder, wann stirbst Du Spielverderber endlich? Der Bund. Essay-Wettbewerb – Die 20 Besten. Zürich 2014.
  • der möngi toni / Groß. In: Lichtungen. Zeitschrift für Literatur, Kunst und Zeitkritik (138). Graz 2014.
  • Schiffbruchpositionen. In: Lichtungen. Zeitschrift für Literatur, Kunst und Zeitkritik (138). Graz 2014.
  • Labyrinth. Radioübertragung im Rahmen der ›Klappstuhllesungen‹ von SWR 2 Tandem. Stuttgart 2013.
  • Ostwärts. In: La Liesette Littéraire. Jahresanthologie des Schweizerischen Literaturinstituts. Genf 2013.
  • Walpurgisnacht. In: Signum. Blätter für Literatur und Kritik. Dresden 2013.
  • Ein Hundeschicksal. In: Schnitt. Jahrbuch 6 des Literaturhauses Liechtenstein. Triesen 2012.
  • der möngi toni. In: Sagenhafte Geschichten. BiblioThekenTour 2011. Vaduz 2012.
  • Die Fee vom Römerhof. In: Sagenhafte Geschichten. BiblioThekenTour 2011. Vaduz 2012.
  • Diabalöcher. In: Sagenhafte Geschichten. BiblioThekenTour 2011. Vaduz 2012.