Thomas Spieckermann
Autor


Bio-bibliografische Angaben

Thomas Spieckermann ist seit der Spielzeit 2015/2016 Intendant des TAK Theater Liechtenstein in Schaan. Er studierte Theaterwissenschaft, Romanistik und Geschichte in Bochum, Wien und London. Viele Jahre lang war er als Dramaturg, Chefdramaturg oder Stellvertretender Intendant an mehreren deutschen Theatern tätig. Zudem hat Spieckermann verschiedene Bücher und Aufsätze publiziert und mehrere Stücke aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt, so zum Beispiel das mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Drama ›Ruined‹ von Lynn Nottage. ›Vier im Sprung‹, erschienen 2019, ist sein Debütroman.



10 Fragen …


Wie verläuft Dein Schreibprozess?
In Schüben, chaotisch und vor- wie rückwärts. Ich habe eine grobe Struktur und Figuren und schaue ihnen dann beim Gestalt-Annehmen zu. Solange sie für mich noch nicht konkret genug sind, stimmt das Geschriebene nicht und stagniert, gewinnen sie an Kontur, entwickelt der Text ein Eigenleben und es geht vorwärts.

Hast Du eine bestimmte Autorin, einen bestimmten Autor als Vorbild?
Ich bewundere die Werke vieler Autorinnen und Autoren über die Jahrhunderte hinweg, habe aber kein Vorbild.

Welches ist Dein Lieblingsbuch?
Meine Lieblingsbücher wechseln ständig. Ich bin immer fasziniert, wenn mich ein Buch gefesselt und in sein Universum hineingezogen hat. Aus meiner letzten Lesezeit könnte ich hier drei Bücher nennen: Guillermo Arriaga, ›Der Wilde‹. Nino Haratischwili, ›Das achte Leben‹. Daniel Kehlmann, ›Tyll‹.

Welches ist Deine liebste literarische Figur?
Richard III. finde ich eine faszinierende Figur. Er ist äußerlich deformiert, hat einen Buckel, hinkt, ist aber jemand, der durch seinen Charme und seine Intelligenz alle Menschen überzeugen kann. Er verführt die Witwe des Mannes, den er gerade hat töten lassen, seine Skrupellosigkeit und Klugheit bringen ihn auf den Thron, er macht sich das Publikum zum Komplizen, indem er es direkt anspricht (wie später Frank Underwood in ›House of Cards‹). Auf dem Zenit der Macht angelangt, fehlt ihm aber jede Vision und er stürzt ziellos in den Abgrund.

Hast Du eine ganz bestimmte Lieblingsstelle in einem Buch?
»Im selben Jahr starb in der Holsteinischen Ebene der letzte Drache des Nordens. Er war siebzehntausend Jahre alt, und er war es müde, sich zu verstecken. Also bettete er den Kopf ins Heidekraut, legte den Körper, der sich so vollständig seinem Untergrund anpasste, dass selbst Adler ihn nicht hätten ausmachen können, flach in die Weichheit der Gräser, seufzte und bedauerte kurz, dass es nun vorbei war mit Duft und Blumen und Wind und dass er die Wolken im Sturm nicht mehr sehen würde, nicht den Aufgang der Sonne und nicht die Kurve des Erdschattens auf dem kupferblauen Mond, der ihn immer besonders erfreut hatte. Er schloss seine vier Augen und brummte noch leise, als er spürte, dass ein Spatz sich auf seine Nase setzte. Es war ihm alles recht, denn er hatte so viel gesehen, aber was mit einem wie ihm nach dem Tod geschehen würde, wusste er noch immer nicht. Seufzend schlief er ein. Sein Leben hatte lang gedauert. Nun war es Zeit, sich zu verwandeln.« (Aus: Daniel Kehlmann: ›Tyll‹)

Wie sehen Deine Schreibpläne für die Zukunft aus?
Ich habe momentan keine Freiräume für neue Schreibpläne.

Nach welchen Kriterien wählst Du Deine Geschichten aus?
Der Anfang meines Buches hat mich über viele Jahre begleitet und nicht losgelassen. Also dachte ich irgendwann, dass ich ihn aufschreiben sollte. Dann kam immer mehr dazu und so hat sich die Geschichte zusammengesetzt.

Kennst Du Deine Charaktere in- und auswendig?

Wir lernen uns ein wenig kennen und irgendwann verabschieden sie sich wieder von mir.


Wer sind Deine ersten Probeleser?
Meine Partnerin.

Gibt es Genres oder Textgattungen, an die Du Dich nicht wagst oder die Dich nicht interessieren?

Mich interessieren tragische Stoffe, egal in welchem Genre.






Bücher 

Vier im Sprung. Roman

(ISBN: 9783730751968)

Der erfolgreiche Unternehmensberater Christian Gielmann nimmt sich eine berufliche Auszeit und tritt eine Reise durch Malawi in Südostafrika an. Der Trip wird zu einer Reise zu sich selbst – je tiefer er in das Land eindringt, desto mehr setzt er sich mit seinem eigenen Leben, mit der Geschichte seiner Kindheit, seinen Träumen und Traumata auseinander. Am betörend schönen Malawisee trifft er schließlich eine für ihn folgenschwere Entscheidung.

 

Jahre zuvor will die Schauspielerin Susanne Rotthaus ein neues Leben beginnen und ein Comeback auf den Berliner Bühnen schaffen. Viele Jahre hat sie nicht mehr Theater gespielt, ihre neue Rolle als Mutter hat sie aus ihrer Bahn geworfen. Nun will sie neu starten, wenn nur diese schlimmen Atemprobleme nicht wären.

 

Rainer Gödde bereitet sich kurz vor der Jahrtausendwende auf ein Interview mit dem Profitorwart Michael Körner vor. Der liebenswerte Chaot will mit dem Interview eine Journalistenkarriere starten, doch das Gespräch nimmt eine ganz unerwartete Wendung. Auch Göddes privates Leben läuft zusehends aus dem Ruder. Aber Gödde ist ein Kämpfer und lässt sich nicht so schnell entmutigen.

 

Anfang der Neunziger-Jahre beschließt Monika Schönfeld, den Silvesterabend in der Spielbank Hohensyburg zu verbringen. Ihr ist beim Spiel das Glück hold: Sie trifft beim Roulette eine Zahlenkombination. Doch ein anderer Gast macht ihr den Gewinn streitig. Als der Saalchef den Streitfall entscheiden muss, springt Schönfeld unverhofft ein junger Mann zur Seite. Für beide ist es der Auftakt zu einem Jahreswechsel, der im Gedächtnis bleiben wird.

 

Alle vier waren einst in derselben Schule, haben gemeinsam Abitur gemacht und sich dann aus den Augen verloren. An die einstige feuchtfröhliche Abiturfeier, bei der vier noch junge Menschen den Start in eine neue Lebensetappe gefeiert haben, erinnert noch heute, über dreißig Jahre später, der Schnappschuss eines Lokaljournalisten.

 

In ›Vier im Sprung‹ begegnet der Leser vier Menschen in vier unterschiedlichen Etappen ihres Lebens: vier Schicksale, vier Lebenswege, viele Hoffnungen, manche Enttäuschungen und ein Mord.