Vlado Franjević
Autor, Künstler

Bio-bibliografische Angaben

Der Liechtensteiner Autor Vlado Franjević, 1963 in Kroatien geboren, wo er zum Kunstmaler ausgebildet wurde, schreibt hauptsächlich Lyrik. Er erhielt den Förderpreis der ›IGdA e. V.‹ und gewann 2008 den für Literaten der kroatischen Weltdiaspora ausgeschriebenen ›S.S. Kranjčević-Literaturwettbewerb‹. Seit mehr als 20 Jahren Lesungen im gesamten deutschsprachigen Raum. Aktuell arbeitet er an einer neuen Publikation.



Links/Multimedia:

10 Fragen …


Wie verläuft Dein Schreibprozess?
Ich bin ein ›Wilderer‹. Auch in diesem Kontext. Schreibe unregelmäßig, explosionsartig und eigentlich schlecht. Man merkt halt, dass ich nicht von hier bin. Aber auch nicht von dort … Egal, wo das ›Dort‹ sein sollte, liege ich immer ›leicht daneben‹ … Ich schreibe täglich viel, doch kaum etwas davon lässt sich als Literatur ›verkaufen‹.

Hast Du eine bestimmte Autorin, einen bestimmten Autor als Vorbild?
Alle wissen es schon längst, hier gebe ich es öffentlich zu: Ich bin eines dieser »schrägen Menschen-Monotremata«, die unter einem Ego-Sado-Maso-Trip leiden. D. h. leider, dass ich gar kein Vorbild habe! Ist es in der Tat unanständig, kein Vorbild zu haben? Muss ich mich auch dagegen impfen lassen?

Welches ist Dein Lieblingsbuch?
Wenn ich mich nur für eines entscheiden müsste, könnte das vielleicht Richard Bachs ›Die Möwe Jonathan‹ sein! Ich habe es vor ganz langer Zeit gelesen, glaube aber heute, dass mir dieses Buch in Punkto Überlebensstrategie sehr geholfen hat. Nicht auf der Bewusstseins-Ebene!

Welches ist Deine liebste literarische Figur?
Das ist in der Tat schwer auszusondern!

Hast Du eine ganz bestimmte Lieblingsstelle in einem Buch?
Habe ich nicht.

Wie sehen Deine Schreibpläne für die Zukunft aus?
Hm. Ich habe praktisch eine fertige autobiografische Erzählung, die ich sehr gerne – wenn möglich bald – publizieren möchte. Die Geschichte handelt von einer bestimmten Reise, eine Reise-Art, die nie an Aktualität verlieren kann: Es geht darum, deine Heimat und alle deine Freunde, Verwandten, alles, was dich als ein Individuum prägt und auszeichnet, zu verlassen und nach einer (quasi) neuen Identität zu suchen!

Bei mir war es so, dass ich mich, als ein sehr kommunikativer und offener Mensch, in einem geopolitischen Raum befand, in dem ich nicht sprachlich kommunizieren konnte. Als 25-Jähriger kam ich in die Schweiz und musste brutal Gas geben, um die deutsche Sprache zu lernen … In der Schweiz Deutsch zu lernen, ist eine Besonderheit für sich! Unterwegs dann auch ein wenig Englisch. Aber nie in einer Schule. Sprachlich bin ich voller Defizite! Uff.

Die besagte Erzählung hat Mathias Ospelt schon einmal grammatikalisch verbessert, »aufpoliert«. Es sind aber schon wieder viele Jahre vergangen und wenn ich sie heute lese, bin ich mir wieder unsicher, was das Pro und Kontra ihrer Veröffentlichung angeht. Ich bin zwar überzeugt, dass so eine Lektüre im gewissen Sinn ein ganz wertvolles Dokument zu den Themen ›Ausländer-Leben‹, ›(E)Migrationen‹, ›Identitätssuche und -Verlust‹, ›Kulturbrückenbauen aus Nichts‹ und Ähnlichem sein könnte. Ich hätte auch sicherlich genug Material beisammen für einen oder zwei Bände mit Kurzgeschichten oder auch für einen oder zwei Lyrikbände. Da ich gleichzeitig aber immer auf vielen künstlerisch-kreativen »Chaos-pur-Hochzeiten« tanze, verliere ich natürlich die Konzentration, um gut angefangene Projekte zum glücklichen Ende zu bringen. Ich habe aber gelernt, damit gut zu leben …

Nach welchen Kriterien wählst Du Deine Geschichten aus?
Ich bin auf keinen Fall ein Mensch, der nur für ein bestimmtes Publikum oder marktorientiert schreibt. Ich kann Texte nur aus mir heraus loswerden. Wenn das gut ankommt, wenn das den anderen zumindest einigermaßen guttut, so ist das in Ordnung. Wenn nicht, dann geht es mir auch nicht mehr ganz gut.

Kennst Du Deine Charaktere in- und auswendig?
Kenne ich nicht!

Wer sind Deine ersten Probeleser?
Hinter meinen Rücken wird sehr gern erzählt, ich würde alles Mögliche ausplappern. Aber: Ich habe doch meine Geheimnisse … Eines davon ist: mein Probeleser!

Gibt es Genres oder Textgattungen, an die Du Dich nicht wagst oder die Dich nicht interessieren?
Es gibt sie sicher. Sie kommen mir aber leider nicht in den Sinn. Ist das schlimm?



Bücher 

Außerhalb des Systems/Izvan sistema. Poesie/Poezija

(ISBN: 978-1938699559)

Der Autor war im Geiste immer schon ein sehr mobiler und energievoller Menschen- und Kulturbrückenbauer und Reisender. Und immer ein Fremder. Auch in der eigenen Familie. Als ausgebildeter Maler und Kreativexperimentator malt er of schreibend. Von seinen vielen Reisen durch geo-politische und kulturelle Räume liefert er uns teilweise kaum erwartete ›Bildsequenzen‹ und spielt gerne mit Zeit- und Raumparallelen. Er schreibt in seiner Muttersprache Kroatisch und auf Deutsch.

Opis knjige: Autor je bio u duhu uvijek pokretljiv i pun energije graditelj mostova izmedu ljudi i kultura, te putnik. I uvijek stranac. Takoder u vlastitoj obitelji. Kao školovani slikar i kreativni eksperimentator on cesto slika pišuci. S njegovih mnogih putovanja kroz geopoliticke i kulturne prostore nudi nam djelomicno jedva ocekivane „sekvence slika“ i rado se igra sa vremenskim i prostornim paralelama. Autor piše na hrvatskom, njegovom materinjem jeziku, kao i na njemackom. Ako je jednoj njegovoj nacitanoj prijateljici za vjerovati, kao da to cini ponekad i ›s ljudskim mesom‹!


Berührung der Stille/Dodir tišine

(ISBN: 978-3-033-02363-2)

Der Autor, bekannt als interdisziplinär arbeitender Künstler und Lyriker, legt mit ›Berührung der Stille‹ einen 40 Seiten umfassenden Gedichtband vor. Die zweisprachige Ausgabe (Deutsch und Kroatisch) entstand im Zuge von Vlado FranjevićTeilnahme an der Ausstellung ›Vom Leben zum Tod‹, die Teil des kirchlichen Innovationsprojekts ›Frischer Wind‹ war. So tragen die Gedichte denn auch Titel wie ›Gräber‹, ›Zweiundfünfzig Tote‹, ›Ungelöschter lebendiger Kalk‹ oder etwa ›Erde stirbt‹.


Autorenlesung: Berührung der Stille


Weitere Veröffentlichungen 

(Auswahl)

  • Kleines Land, großes Kulturhaus. Liechtensteinisches Landesmuseum in Vaduz. In: Liechtenstein. Klein, aber oho. Lieblingsplätze zum Entdecken. Meßkirch 2016.
  • Uraufführung. Lyrik. Triesen 2001.
  • Alles ist möglich. In: ›morgen wird keiner von uns leben bleiben, wenn wir heute wieder nichts tun. Gedichte‹. Wiesbaden 1999.