Das liechtensteinische Verlagswesen

Der folgende Exkurs legt das Augenmerk auf in Liechtenstein beheimatete Verlagshäuser, welche wichtig für die erzählende Literatur sowie für die lyrischen und dramatischen Texte liechtensteinischer Literaturschaffender sind bzw. waren. Die meisten der auf Sachliteratur spezialisierten Verlage oder Organisationen fehlen demnach in dieser Auflistung – so zum Beispiel die Verlage Coleba und A. R. Gantner, die auf Reprints wissenschaftlicher Werke spezialisierte Kraus-Thomson Organization Ltd oder die Sändig Reprint Verlag Kollektivgesellschaft, der Verlag der Liechtensteinischen Akademischen Gesellschaft mit seinen Politischen Schriften oder etwa einzelne Ämter und Ministerien.

Anfänge des Verlagswesens

Abgesehen von eigens erstellten Lehrmitteln, die ab 1834 für die liechtensteinischen Primarschulen geschaffen wurden, finden sich lange Zeit keine Drucksachen aus hiesigen Druckereien, die ernsthaft als Literatur durchgehen könnten. Im 19. Jahrhundert stößt man auf das Lesebuch ›Der Kinderfreund‹ eines Aegidius Jais, und hervorzuheben wären noch die beiden Bände des ›Lesebuchs für die liechtensteinischen Volksschulen‹, die 1914 bzw. 1916 von der Liechtensteinischen Lehrerkommission unter Vorsitz von Johann Baptist Büchel (nicht zu verwechseln mit seinem Onkel und Namensvetter, dem berühmten Kanonikus Büchel) zusammengestellt und herausgegeben wurden.

Das ›Lesebuch für die liechtensteinischen Volksschulen‹, 1916

Der Askanische Verlag

Carl Albert Kindle (1883 bis 1945), Spross einer alteingesessenen Bürgerfamilie und Sohn eines nach Deutschland ausgewanderten Triesners, gründete in den frühen 1910er-Jahren (genaues Datum unbekannt) in Berlin die Verlagsbuchhandlung ›Askanischer Verlag‹. Für Liechtenstein interessant ist vor allem der Umstand, dass Kindle die Musikstücke seines Bruders, des erfolgreichen Komponisten und Konzertpianisten Maximilian Kindle, vertrieb. Hauptsächlich jedoch wurden bibliophile Klassikerausgaben verlegt, so zum Beispiel Goethes ›Faust‹, die ›Odyssee‹ oder das ›Nibelungenlied‹. Auch nach Carl Albert Kindles Tod blieb der Verlag bestehen, bis er 1954 aufgelöst wurde.

Homers ›Ilias‹, Askanischer Verlag, 1923

Der Alpenland Verlag

Der 1930 von Johann Anton Näscher (nach amtlicher Namensänderung: Nescher) gegründete und noch heute bestehende Alpenland Verlag bietet immer wieder hiesigen Autorinnen und Autoren eine Heimat. In Zusammenarbeit mit der hauseigenen Druckerei werden Bild- oder Textbände produziert und über die Buchzentrum-Website vertrieben. Der Anteil an lieferbaren belletristischen Werken überstieg in den letzten Jahrzehnten jedoch nie das volle Dutzend.

Publikationen des Alpenland Verlags

Der Verlag des Historischen Vereins

Obgleich der Historische Verein für das Fürstentum Liechtenstein seit seinem Gründungsjahr 1901 Jahrbücher zu geschichtlichen Themen herausgibt, hat er in unregelmäßigen Abständen auch Einzelwerke im Selbstverlag veröffentlicht, von denen – aus literarischer Sicht – Otto Segers ›Sagen aus Liechtenstein‹ hervorsticht. Immer wieder gab es vereinzelte Sagensammlungen, doch Seger gelang mit seinem Werk zum ersten Mal eine fast vollständige Auflistung des heimischen Sagenschatzes. Indem er die Geschichten märchenhaft-literarisch ausformulierte, machte er sie zur perfekten Nachtlektüre für Kinder und beeinflusste damit wohl eine ganze Generation an Schreibenden.

Publikationen des Historischen Vereins

Der Liechtenstein Verlag

1946 durch die Fürstenfamilie gegründet, um nach dem Zweiten Weltkrieg die Kulturszene im Land erneut zu beleben, verlegte der Liechtenstein Verlag im zweiten Jahr seines Bestehens sein erstes Buch, nämlich ›Valley of Peace‹ der Autorin Barbara Greene, einer ebenfalls literarisch tätigen Cousine von Graham Greene. 1948 folgte die deutsche Ausgabe ›Tal des Friedens‹. In den Folgejahren florierte der Verlag, indem er Klassikerausgaben u. a. von Goethe, Tolstoi, Puschkin oder Schiller auf den Markt brachte. Eine Neuorientierung erfolgte in den 1970er-Jahren. Seither wurde hauptsächlich juristische Fachliteratur verlegt. Für die heimische Literaturszene interessant ist die von Jens Dittmar edierte Anthologie ›Lyrik aus Liechtenstein. Von Heinrich von Frauenberg bis heute‹.

Die Publikation ›Lyrik aus Liechtenstein‹

Der HP Gassner Verlag

Das 1976 gegründete Grafische Atelier von Hans Peter Gassner zeichnete verantwortlich für die Gestaltung von über 80 Büchern. Im Verlag HP Gassner – korrekt eigentlich die HP Gassner Verlagsaktiengesellschaft – erschien eine Handvoll für das Land Liechtenstein wichtiger Werke, so zum Beispiel die beiden Bände des ›Liechtensteiner Almanachs‹ oder die fotomechanischen Nachdrucke der historischen Romane ›Die Hexe vom Triesnerberg‹ und ›Gutenberg-Schalun‹. Ein Augenmerk des Verlegers lag auch auf der Neuherausgabe älterer, zumeist vergriffener Werke, deren Themen manchmal auch ins leicht Kuriose abdriften konnten, wie etwa die Titel der zwei Bücher ›Space Art – Weltraumkunst‹ und ›Die Naturgeschichte der Fürze‹ bezeugen.

Publikationen des HP Gassner Verlags

Die Verlagsanstalt ›Das gute Buch‹

Die 1983 von der inzwischen verstorbenen Gertraud ›Kouki‹ Wohlwend gegründete ›Das gute Buch Verlagsanstalt‹ aus Triesen bietet hauptsächlich Werke aus dem spirituell-esoterischen Bereich an. Die unglaublich lange Artikelliste des Verlags führt Produkte in fünf Sprachen. Für die meisten Bücher, DVDs oder Audiobooks ist die Verlagsanstalt jedoch nur Zwischenhändlerin, sodass der Anteil an heimischen Autorinnen und Autoren im Verlagsprogramm an einer Hand abgezählt werden kann.

Publikationen der Verlagsanstalt ›Das gute Buch‹

Der van Eck Verlag

Der für die hiesige Literaturszene zweifellos wichtigste Verlag ist der ebenfalls in Triesen beheimatete van Eck Verlag. Dessen Namensgeber Frank van Eck, ehemaliger Lektor und Commercial Manager bei der in Nendeln ansässigen Kraus-Thomson Organization Ltd., gründete 1982 seine ›Frank P. van Eck Verlagsanstalt‹ – so der offizielle Name des Unternehmens. Seither hat van Eck über 160 Publikationen herausgegeben. Verkaufsträchtigste Titel sind der in der 7. Auflage vorliegende Sportbuch-Klassiker ›Der Golfschwung‹ sowie das mittlerweile in 16 Sprachen übersetzte Sachbuch ›Der Staat im dritten Jahrtausend‹ von Seiner Durchlaucht Hans-Adam II. von Liechtenstein. Das Verlagsprogramm liest sich inzwischen wie ein Who’s who der heimischen Literaturszene: kaum ein Name, der seit der Jahrtausendwende nicht zu den bekannteren FL-Literaten gehört und für den der van Eck Verlag Ausgangspunkt bzw. Sprungbrett für das weitere literarische Schaffen war. Die beiden Imprints des Verlags sind Octavo Press sowie die Edition Fuchs & Hase.

Publikationen des van Eck Verlags

Die Edition Fuchs & Hase

1992, im elften Jahr seines Bestehens, bediente sich der van Eck Verlag des Imprints ›Edition Fuchs & Hase‹, um seinen neuen Programmbereich mit Kinderbilderbüchern zu etablieren. Erwähnenswert sind Loretta Federspiels ›Die Riesin auf Schloss Gutenberg oder Die Sage vom verborgenen Schatz‹, das von John und Fataneh Howe illustrierte Buch ›Der Triesner Reiter oder Die Sage vom armen Mädchen‹ sowie der von Sabine Bockmühl unter dem Pseudonym Anna Bolika herausgegebene Comic ›Die Sennpuppe‹. Natürlich dürfen die ›Lisa & Max‹-Bildbände in dieser Auflistung nicht fehlen.

Publikationen der Edition Fuchs & Hase

Die Edition Isele | Klaus Isele Editor

Die im deutschen Eggingen beheimatete Edition Isele war einige Jahre lang in Liechtenstein als Sitzgesellschaft tätig. Seit Ende der 1980er-Jahre wurden immer wieder Bücher hiesiger Schreibender veröffentlicht, so zum Beispiel Iren Niggs ›Fieberzeit‹, Walter Niggs ›Man kann es schon schön haben – auch für wenig Geld‹, Mathias Ospelts ›Als Vaduz noch seinen Hafen hatte‹ oder die Lyrikbände von Hans-Jörg Rheinberger. 2014 stellte der Verlag auf das Print-on-Demand-Verfahren um. Mit dem Wechsel der Produktionsart ging auch eine Namensänderung einher: Seither ist der Verlag als ›Klaus Isele Editor‹ geführt.

Publikationen der Edition Isele

Der Schalun Verlag

Robert Allgäuer, Liechtensteins erster Landesbibliothekar und späterer Kabinettsdirektor auf Schloss Vaduz, gründete 1989 den Schalun Verlag. Als Lektor und Redaktor, teilweise sogar auch als Autor selbst, wirkte er bei diversen Büchern zur liechtensteinischen Kultur und Geschichte mit. Nennenswerte Werke sind unter anderem Arthur Brunhardts Peter-Kaiser-Biografie, Peter Geigers und Manfred Schlapps ›Russen in Liechtenstein. Flucht und Internierung der Wehrmacht-Armee Holmstons 1945–1948‹ oder etwa Emanuel Vogts Reihe ›Mier z Balzers‹. Nicht zuletzt aufgrund seiner verlegerischen Tätigkeit wurde Allgäuer von der Kulturstiftung Liechtenstein 2021 eine Anerkennungsgabe verliehen.

Publikationen des Schalun Verlags

Der GMG Verlag

Seit 1990 besteht der GMG Verlag, dessen Schwerpunkt in der Publikation juristischer Fachbücher liegt. Klassische Gesetzesbände mit Hintergrundmaterial und Erklärungen zu ausgewählten Erlassen sowie die SLR, die ›Schriftenreihe zum Liechtensteinischen Recht‹ bilden die Eckpunkte des Verlags. Immer wieder jedoch gesellen sich literarische Publikationen zu den juristischen hinzu. Die jährlich erscheinende Anthologie zum TAK-Schreibprojekt ›Kinder schreiben …‹, das die schönsten und originellsten Kindergeschichten sammelt, wird ebenso aufgelegt wie die Schreibstar-Bände des Liechtensteiner Volksblatts, die zum Beispiel Märchen, Abenteuer- und Gruselgeschichten oder etwa Liebes- und Krimigeschichten zum Inhalt hatten.

Publikationen des GMG Verlags

Die Edition Eupalinos

Der bildende Künstler und Autor Hansjörg Quaderer ist Gründer und Leiter der Edition Eupalinos, welche seit 1992 in limitierter Auflage hochwertige Künstlerbücher veröffentlicht. Die bibliophilen Werke sind zumeist nummeriert und signiert, enthalten bisweilen auch Essays und biografische Informationen zu den Kunstschaffenden. Als wichtigere Werke mit Liechtensteinbezug zu nennen wären die drei Bände zum ›Robert Altmann Projekt‹ oder Stefan Sprengers Debüt ›Vom Dröhnen‹.

Publikationen der Edition Eupalinos

Der Roman Banzer Verlag

Dr. Roman Banzer, seit 2001 Leiter des Literaturhauses Liechtenstein, war beim ersten Bücherfrühling 1991 Redakteur des dazu herausgegebenen Sammelbands. Zwei Jahre darauf stand sein Name bei ›Heimat, ein Grundriss‹ bereits im Impressum, jedoch ohne Verlagsvermerk. Die Ausgabe von ›Land Sichten. Literatur im Schichtwechsel‹ erschien 2000 dann erstmals im ›Roman Banzer, Verlag‹ (hier noch mit Komma). Im Jahr darauf folgte die erste Teilnahme des Verlags am Liechtenstein-Stand bei der Frankfurter Buchmesse. Zu den editierten Werken gehören unter anderem die von 1998 bis 2000 herausgegebene Tonsammlung der Liechtensteiner Ortsmundarten mit dem Titel ›Wia ma bi üüs red‹, Stefan Sprengers Aufsatzsammlung ›Katzengold‹ und seine als Audiobook eingesprochene Mundartgeschichte ›Dr Hans und sini Bank‹. 2005 stellte der Verlag seine Tätigkeit ein.

Publikationen des Roman Banzer Verlags

Der Eigenverlag des Literaturhauses Liechtenstein

Das Literaturhaus Liechtenstein verbreitet in seinen Jahrbüchern seit 2006 zeitgenössische Literatur. Die Texte in Form von Essays, Kurzgeschichten, Lyrik und Rezensionen stammen zumeist von Autorinnen und Autoren aus Liechtenstein, Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Publikationen erscheinen im einheitlichen Format 17 x 27 cm und als Softcover mit Schutzumschlag, wobei die Grafikerin Sabine Bockmühl für die Gestaltung zuständig ist. Die Redaktion besteht jeweils aus Vorstandsmitgliedern des Vereins Literaturhaus Liechtenstein.

Publikationen des Literaturhauses Liechtenstein

Die BUCHER Verlag GmbH

Der seit 2006 bestehende Bucher Verlag aus Hohenems, ein Nachfolger des 1966 gegründeten Hämmerle Verlags, besitzt seit 2012 unter dem Firmennamen BUCHER Verlag AG Vaduz eine Repräsentanz in Liechtenstein. Im Verlagsprogramm finden sich diverse Liechtensteinensien, angefangen bei hochwertigen Ausstellungskatalogen des Kunstmuseums über Foto- oder Kunst-Bildbände bis hin zu Romanen und Erzählungen heimischer Literaten.

Publikationen des BUCHER Verlags

Urheberrechts- bzw. Quellennachweis:

Foto Homers ›Ilias‹: © Creative Commons BY-SA 3.0 DE | ZVG von Jürgen Franssen.